Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
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Stilfser Joch.

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grünen Hochebene wie bei Ursern, die Wildheit des Stromes,der kurz vor der Festung- noch als Wasserfall stürzt, ist vor-bei, und er fliesst ruhig dahin, so ruhig wie es einem TyrolerFluss überhaupt möglich ist, denn sie scheinen alle aus Cham-pagner statt des Wassers zu bestehen. Als wir eine Weileanf dieser Hochebene fortgerollt waren, that sich eine gewal-tige Masse von Schneebergen vor uns auf, und da wir aufunsere Frage erfuhren, es sei das Stilfser Joch, über das dieneue Strasse führe, fiel mir, ich muss es gestehen, das Herzein wenig in die Inexpressibles. Wir übernachteten am Fussdes Hochgebirges und brachen um halb sechs auf. Der Himmelwar bedeckt, die Luft lau, und es blieb mehrere Stunden langnngewiss, wie das Wetter werden würde. Ich will versuchen,Euch eine möglichst deutliche Vorstellung von diesem merk-würdigen Wege zu geben. Das Aufsteigen auf der TyrolerSeite zerfällt in drei Stationen, etwa fünf Meilen Wegs, diesich auch dem Charakter nach genau von einander sondernlassen. Während der ersten Station fährt man, schon immerstark ansteigend, ziemlich gradeaus in ein enges Thal hinein,durch Brücken bald auf diese, bald auf jene Seite des reissendenBergstroms gelangend, und sich der Schneewand nähernd,welche das Thal scliliesst. Hier sieht man die echte Alpen-natur, Weiden mit Vieh, Sennhütten, Felsen, Bergwässer;Trafoi, der erste Ruhepunkt, liegt schon 5000 Fuss hoch, undhier befindet man sich am Fuss des eigentlichen Stelvio. Vonhier an geht die Strasse nicht mehr gradeaus, sondern imZickzack den Berg steil hinan. Von unten gesehen nehmensich die Geländer, deren man oft mehr als zwölf auf einmalübersehen kann, wie die Spaliere an einem Ungeheuern Wem-berg aus. Der zweite Ruhepunkt lieisst Franzenshöhe undliegt an der Schneelinie. Hier hat man schon Gletscher undweite Schneefelder zur Seite und zu seinen Füssen; derOrtlesspitz ist vom Gipfel bis zum Fuss sichtbar und ganznahe, das tiefere Thal mit seinem Grün fängt an zu ver-schwinden. Von hier hat man noch über eine Meile im Schneezu fahren, das Wetter war aber so wunderschön und dieSonne so klar, dass wir, weit entfernt, Decken, Pelzhandschuh,