Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
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Heringsdorf.

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wärest Du nur hier, ihn mitzugeniessen und Dich in der TiefeDeines sonderbaren mathematischen Gemüthes daran zu erfreuen. Gestern waren es acht Monat, dass unser liebes Kind unsgenommen ward. Des Menschen Herz ist auch wie ein Grab;tief unten liegt der Schmerz, treu und fest eingegraben, unddarauf grünt es, und wachsen Blumen und es wird oft auf-gewühlt, und wieder neuer Schmerz dazu gethan, und wächstwieder zu, und blüht wieder, bis endlich da steht die Weis-heit stille. Man muss eben mit. Nun mein ewiger Refrain,lass mich mit Dir leben, d. h. schreibe mir fleissig wie Dulebst; verschiedener können's wohl Eheleute nicht treiben, wieDu in Paris und ich in Heringsdorf. So einförmig wie meineBriefe geht mein Leben hier seinen Gang; hätte Fanny nichtSehnsucht nach ihrem Mann und die grosse Reise vor, wo ichsie auch noch gern bis zuletzt gemessen möchte, ich triebenicht nur nicht fort, sondern miethete mir zur zweiten Saisoneine andre Wohnung. Doch ist jetzt die schönste Zeit, wodas Korn noch stellt, und das Grün noch frühlingsfrisch ist."

Berlin, 7ten August 39.

Dieselbe an denselben.

Ich muss aber noch die letzten Heringsdorf erTage nachholen, so müde und reise- und Kram-echauffirt ichauch bin. Nun habe ich auch solche Feier von Königs-Ge-burtstag mitgemacht, wie sie dutzendweise in den Zeitungenstelin, Diner, Schuljugend,einfache Anreden" äusserstledern und ennuyant, aber zauberisch reizend war die Er-leuchtung Abends; die einzelnen, durch Hügel und Wald ge-trennten Häuschen mit Lichtern und Blumenkränzen bedeckt,der schönste Sternenhimmel, überall Gruppen vergnügter,entzückter Menschen, es war ein wundervoller Abend. Wirblieben noch lange, nachdem die Menschen sich verlaufen undihre Lichter ausgelöscht hatten, auf dem vielbesprochenenBuchenberg, und sahen den Mond über dem Meere aufgehn,und bewundere uns den andern Morgen um halb vier