Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
57
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Heringsdorf.

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Die folgenden Stellen werden zieigen, dass Hennigsdorfbesser war, als sein damaliger Ruf.

Heringsdorf, lsten Juli 1839.

Fanny:

Eben kommen wir aus dem ersten Bade, liebster Mann,und die Ostsee liat Nordsee gespielt und uns tüchtig zusannnen-gepeitsclit. Gestern Vormittag kamen wir liier an, in einemWetter, wie das, worin wir von Boulogne abfuhren, und trotzdieses ungünstigen Anfangs sind wir vom ersten Augenblickan ganz entzückt gewesen von der Lage von Heringsdorf.Unsre kleine Wohnung ist ganz nett, Devrient's haben sie ver-läumdet, um's Euch zu beweisen, namentlich Dil-, liebe Mutter,damit Du nicht denkst, wir wohnen in einer Pappschachtel,oder gar wieder Fischer un sine Fru", will ich Eucherzählen, dass ich nach Tisch nach Swinemünde fahren werde,um womöglich ein Fortepiano und einige Möbel zu miethen,die uns viel mehr fehlen als Platz. Das wird aber nichtleicht sein, denn die Fürstin Liegnitz dreht ganz Heringsdorfum; heut kommt sie, und das Hallo von Köchen und Silber-dienern und Inspectoren und andern Thoren geht schon seitgestern. Ueberhaupt hat sich unser loyales Herz auf derReise unendlich erquickt. Auf dem Dampfboot trat man nurauf Russen, vorausreisendes Gefolge des Grossfürsten; sechsSchiffe haben sich für ihn bemüht, und in welchem Renommedie Leute dastehn, kannst Du aus dem einzigen Faktumschliessen, dass man ihr Gepäck von dem der übrigen Reisen-den abgesondert hatte, um die Aufsicht zu erleichtern,weilsie wie die Raben stehlen", sagten die Leute. Kapitän undSteuermann und Passagiere räsonnirten ganz laut. Ichwerde Dich ernstlich bereden, auf ein Paar Tage herzukommen,denn Heringsdorf ist stupend schön und bleibt es, fürchte ich,nicht lange, denn die verfluchte Civilisation mit ihren gelbenund grünen Häusern fängt schon an, überall zu spuken unddie schönsten Punkte zu verderben; und das ist das besondersSchöne an unsrer Aussicht hier, dass noch gar nichts Störendessichtbar ist.