Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

Fanny spielt öffentlich.

43

Da man nun die Frauen eigentlich in ihrem Hause sehn muss,werde ich Dir mit noch mehr Zuversicht entgegentreten, wennIhr uns hier besucht, und hoffe gewiss, es Euch dann rechtangenehm machen zu können; wie freue ich mich auf die Zeit."

Der Winter 1837/38 verging ohne besondere Vorfälle.Hensel beendete ein grossses Bild, Christus in der Wüste,Fanny spielte einmal zu einem wohlthätigen Zweck öffentlich,worüber sie an Klingemann am 27sten Febr. schreibt:VorigeWoche hat hier in der eleganten Welt ein Concert grossesAufsehn gemacht. Es ist nämlich, wie es an andern Ortenhäufig geschieht, ein Dilettanten concert zum Besten der Armenmit verdoppeltem Eintrittsgeld gegeben worden, wobei dieChöre fast von lauter Gräfinnen, Gesandtinnen und Offizierengesungen wurden. Da war ich vornehme Frau denn auchdringend gebeten worden, zu spielen, und habe zum erstenMal in meinem Lehen öffentlich gespielt und zwar FelixensConcert aus g-moll. Ich habe mich garnicht geängstigt, meineBekannten waren so gütig, es für mich zu thun, und dasganze Concert, so elend das Kepertoir auch war, hat so vielNeugier und Interesse erregt, dass die Einnahme 2500 Tlialerbetrug."

Im Frühjahr 1838 reiste Paul mit seiner Frau zur Taufedes ersten Sohnes von Felix nach Leipzig. Das Versprechendes Letzteren, einige Zeit in Berlin zuzubringen, erregte dielebhafteste Freude, und Fanny schrieb darüber:

Felix, vergiss meinen Bach nicht, und dann höre

mal (Cücile, Albcrtine, Paul, wer wird ihn erinnern?), hastDu die neuen Mosclieles'schen Etüden und willst sie mir durchPaul schicken und sie Dir dann selbst wieder abholen? Ichwerde Dir sehr verbunden sein dafür. Ueber Derne hiesigenWohnangelegenheiten bekommst Du nächstens einen, eigenenBrief. Die sieben Städte Griechenlands streiten um Dich, unddie freundlichen Schwestern sind im Begriff, feindliche BrüderDeinetwegen zu werden, Du sollst hören und erfahren. LieberFelix, komponirt habe ich diesen Winter rem garnichts, musi-cirt freilich desto mehr, aber wie einem zu Math ist, der einLied machen will, weiss ich garnicht mehr. Ob das wohl