HS
1836—1839.
einen Dienst an, den er dem sehr hochgeschätzten Freund undder guten Sache schulde, und gab bereitwillig den Plan einerSchweizerreise und eines Seebades in Genua dafür auf.
Selten wohl ist einer guten That die Belohnung so augen-blicklich und unmittelbar auf dem Fusse gefolgt. Gleich nachdem Düsseldorfer Musikfest, von dem vorher die Eede war,am 4ten Juni, ging Felix nach Frankfurt ah. Nach den An-strengungen des Festes that ihm zuerst die Eulie und Stillein der lieblichen Frankfurter Natur ausserordentlich wohl.Wenig Menschen konnten vielleicht so arbeiten wie er, wenigeaber auch nach einer solchen Zeit toller Hast und Hetze, woauf Wochen hinaus nicht eine Minute unbesetzt gewesen war,dann so intensiv eine Zeit der Erholung, womöglich in einerhübschen Gegend gemessen. Die Direction des Cäcilienvereinsnahm nicht übermässig viel Zeit in Anspruch, so blieb vielMüsse. Namentlich spricht er von einem Wald: „wenn manin dem des Abends spazieren geht, unter den prachtvollenBuchen, in den unzähligen Kräutern und Blumen, und Brom-beeren und Erdbeeren, — da geht einem das Herz auf."
Und das Herz ging ihm auf, in anderm Sinne auch. FrauJeanrenaud, die Wittwe eines protestantischen Predigers inFrankfurt, hatte zwei Töchter, darunter eine, Cecüe,-von ganzwunderbarer Schönheit und Lieblichkeit. Als Felix nun auflängere Zeit in Frankfurt war, suchte er das Haus wieder auf,in das er schon früher eingeführt worden war und das erwohl schon im Sinn hatte, als er Weihnachten 1835 Fannyversprach, den nächsten Sommer am Rhein sich nach einerfür ihn passenden Frau umzusehn. Er fand sie in Cecile Jean-renaud. Es waren keine entschiedenen, prägnanten Eigen-schaften, die sie so liebenswürdig machten, — es war vielleichtumgekehrt grade deren Abwesenheit, die vollkommene Har-monie, das vollendete Gleichgewicht ihrer Natur. Sie war nichthervorragend geistreich, nicht blendend witzig, nicht tief ge-lehrt, nicht sehr talentvoll; aber ihr Umgang war so wolil-thuend ruhig, so erquickend, wie die -reine Himmelsluft oderdas frische Quellwasser.
Und grade für Felix, mit seinem nervös reizbaren Teni-