Druckschrift 
Der Urstamm der Hohenzollern und seine Verzeigungen
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190

Burkard *) besonders in St. Gallen mancherlei Unord-nungen und Abweichungen von der regelrechten Zucht vorgekommen.So hielten sich u. a. einzelne St. Galler Mönche besondere Vor-räte, besaßen persönliches Eigentum und sagten sich von dem Ver-bot des Fleischessens los. Dabei standen die beiden Klöster einan-der feindselig gegenüber; insbesondere wurde St. Gallen vonReichenau als in manchen Dingen von des hl. Benedikt Regelnabweichend verdächtigt. Und der mehrerwähnte St. Galler Ge-schichtsschreiber Ekkehard IV. berichtet folgenden Vorgang. Derbereits genannte Reichenauer Propst Rudimann schlich sich einesTages nachts in das Kloster St. Gallen wie ein Dieb ein,hoffend, er werde etwas erspähen, was seine Verdächtigungen be-gründen könnte. Er wurde aber auf seinem Schleichgange ertappt;darauf rief man den Kapellan des gerade abwesenden Abts Bur-kard mit der brennenden Laterne herbei; dazu gekommene jüngereMönche sammelten sich um den erkannten Eindringling; einer der-selben holte schnell die Geißel aus dem Kapitelsaale, drang schreienddaniit auf denselben ein und hätte ihn ohne die Dazwischenkunftder anderen scharf gezüchtigt. Da bat Rudimann, ihn doch mild zubehandeln und die Ankunft des Dekans (Stellvertreters von demAbt) mit den älteren Brüdern abzuwarten. Nachdem diese ange-kommen waren und dem verhaßten Propst beißende Vorwürfe ge-macht hatten, warf sich dieser zitternd vor dem Dekan auf dieKniee und sprach: Ich bin in eurer Gewalt, bitte euch aber alleum Verzeihung; schenket mir wieder eure Gunst, ich werde mirkünftig nichts dergleichen mehr gegen euch erlauben. Diese Selbst-demütigung des sonst so stolzen Mannes rührte zunächst die Be-sonnenen so, daß sie ihm verziehen, und schließlich verstummte auch

Letzterer resignirte 971 ss. unten), ersterer wurde 972 uon KaiserOtto I. abgesetzt und für ihn der bisherige strenge Propst RuodmannsRudimann) ernannt.

**) Ekkehards IV. Schrift a. a. O. S. 358. Wie dieser selbst Kap.98 ff. des Näheren erzählt, sandte Kaiser Otto I. im Oktober 972 in derPerson eines durch seine große Strenge bekannten Benediktiner-Mönchs einenUntersuchungs-Commissär »ach St. Gallen, nachdem derselbe aber nichts aus-gerichtet hatte, im Anfang des nächsten Jahres eine Commission von 8 Bi-schöfen und ebensoviel Äbten dahin, welche nach E. aber alles in der bestenOrdnung gefunden haben soll.