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Kammerrichter. Von 15 54 an lebte er fast immer auf Herren-zimmern und ist dort 1575 im Alter von 90 Jahren verschie-den. Graf Wilhelm Werner war ein sehr frommer Mann undstreng katholischer Gesinnung, wacker und milden Herzens,vielseitig gebildet, in mancherlei Staatsgeschäften wohl er-fahren. Karl V. und Ferdinand I. wendeten ihm ihre Gunstzu und übertrugen ihm wiederholt die Ausgleichung schwieri-ger Angelegenheiten, die an den Hof gebracht worden waren.Ein Jurist von hervorragender Bedeutung ist er nicht gewesen,— besser hätte seinen Anlagen und Kenntnissen die Stelleeines obersten Ceremonienmeisters oder des Leiters einesHeroldsamtes entsprochen, — seiner Neigung aber sagte zu-meist der stille Beruf eines in vornehmer Zurückgezogenheitarbeitenden Gelehrten zu. Er war ein eifriger Sammler vonAntiquitäten, Heiligthümern und allerlei Merkwürdigkeiten;seine Bücherei soll einen Schatz von seltenen historischenWerken enthalten haben; als einen guten »fürnemen Histori-kus« rühmt ihn wiederholt die Chronik, und in der That gebenseine zahlreichen handschriftlich erhaltenen Werke zur Genea-logie, Heraldik, Diplomatik und Geschichte Zeugniss von viel-seitigen Studien auf diesen Gebieten; auch mit poetischenVersuchen beschäftigte sich Wilhelm Werner, wie die beidenin der Chronik mitgetlieilten längeren Dichtungen zeigen ').
Ein Mann von anderer Anlage und Richtung war GrafFroben Christof, 1519 bis 1566 oder 1567, ein Neffe jenesWilhelm Werner. Er wurde erzogen von seinem Grossvater,Philipp Echter von Mespelbronn, und bezog mit 12 Jahrenebenfalls die Universität Tübingen. Dann wanderte er mitseinem Bruder Johann Christof, welcher schon in jugendlichemAlter eine Domherrnstelle zu Strassburg erlangt hatte, nachBourges, wo damals Alciat, Johannes Ansovinus und M. Antonius Caimus lehrten und viele Deutsche von Adel und aus
b Die über das Leben des Grafen in allen Theilen der Chronik zer-streuten Nachrichten sind nachgewiesen von Barack im Register IV. 618,19. Ich hebe nur hervor: Erziehung und Studiengang II. 570 fgg.; — Rek-torat 580; — Rotweil 597; — Kammergericht II. 631, III- 585, siehe auchunten Abschnitt V.; — Bibliothek, Heiligthümer, Wunderkammer III. 350,IV. 73, 105; — historische Studien III. 131, 601; — Gedichte IV. 233—47;— Gesammtcharakteristik IV. 98 fgg.; -— über seine hinterlassenen Werke:Barack IV. 327 fgg. — Vergl. auch Ruckgaber S. 213 — 27, StalinIV. 835.