Druckschrift 
Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

Nur ein flüchtiges Wort noch möge dem Andenken an seinen vorzüglichenCharakter gewidmet sein. Aus dem Vorstehenden geht es zur Genüge hervor, dassder Verstorbene eine hervorragende Persönlichkeit war. Durch seinen Beruf mehrauf das Reale verwiesen, hat er doch bis an sein Lebensende sich ein klares Augefür alles geistig Grosse bewahrt und in seinem Herzen eine Welt der Ideale sicherbaut, wie man dies nur bei Wenigen finden wird. Bei ihm ging der berechnendeGeschäftsmann häufig im fühlenden und theilnehmenden Menschen unter, nie um-gekehrt; er dachte mit warmer Seele der Noth und Leiden Anderer und war immerzur Hülfe bereit. Hunderten war er im Stillen ein Wohlthäter; denn sein Almosenwar reich und er gab ja mit Liebe. In jeder Lebenslage zeigte er sich liebens-würdig und immer geneigt, selbst Gegnern wohlzuthun, vergessend, wie ihm Manchemit Undank und Kränkung gelohnt, denen er einst der Helfer in bitterer Nothgewesen. Im geselligen Verkehr mit seinen Freunden besass er einen feinen Witz,einen köstlichen Humor, der Alles fesselte.

Seine Ehe war das Bild eines heiteren Maitages. Im Kreise seiner Familiezeigte er nicht selten in rührender Weise sein überwallendes Herz, wenn er einemoder dem anderen Gliede derselben eine unerwartete Freude bereiten konnte. Hierwurde das Gute und Schöne stets gepflegt. Dichter, Maler und Musiker fanden beiihm und den Seinigen immer ein gastliches Haus und es gab viele Abende, welcheso reich an geistigen Genüssen waren, dass sie bei allen Theilnehmern einenunvergesslichen Eindruck zurückliessen. Dahin gehören namentlich diejenigen, heiwelchen die Musik die Trägerin der Freude war. Der Vater blies Flöte, zweiSöhne spielten Geige und Violoncell, die Tochter begleitete auf dem Flügel undüber den vollen Strömen der Harmonien schwebte der Mutter entzückender Gesang.So hatte das Haus selbst sein kleines, gut organisirtes Orchester, welches stetszur Erheiterung des Freundeskreises und zur Verherrlichung der Familienfeste dasSeinige beitrug.

Neben dieser Art schön und poetisch zu leben, war Heinrich Flinsch auchwieder ein tiefreligiöser Mann. Er nahm es ernst mit den heiligen Pflichten desGlaubens, und oftmals suchte und fand er in bangen Stunden, die auch ihm nichtfremd waren, im Gebete eine beruhigende Kraft.

Dass bei allen diesen Vorzügen sein unerwartet eingetretener Tod allgemeineTheilnahme erregte, ist erklärlich, und diese äusserte sich denn auch in eineralle Schichten der Bevölkerung Frankfurts umfassenden Weise. Dem Geschiedenengalt so manche Thräne der Liebe und verschwiegenen Dankbarkeit derer, welche eroft reichlich unterstützt hatte.

41