HEINRICH FRIEDRICH GOTTLOB
FLINSCH.
In grossen Zügen liegt der Lebensgang dieses jüngsten Sprossen des schlichtenPapiermachers Adam Erdmann bereits vor uns, denn wie der Schatten unzertrennlichvom beleuchteten Körper, so war er die schöne Ergänzung seines Bruders Ferdinandund fand daher neben diesem thatkräftigen Jünger Merkurs, wenn auch flüchtig,seine Würdigung. Er war jedoch mehr, als die bescheidene Folie jenes grossenGeistes; er war neben der freien Unterordnung unter des älteren Bruders Anord-nungen ein so durchaus ganzer und bedeutungsvoller Mann, dass es ein erhöhtesInteresse gewährt, ihn hier mit der Fackel der Liebe zu beleuchten, auf dass ersich noch einmal vor uns belebe und durch sich selbst auf dem Ehrenplatzebehaupte, den ihm die Geschichte des Handels in ihrem Buche an der Seite seinesBruders Ferdinand angewiesen hat.
HEINRICH FRIEDRICH GOTTLOB FLINSCH wurde am 21. März 1802 geboren,und die friedlichen Ufer der Saale bei Blankenberg waren der Schauplatz seinerKindheit. Bei seiner Geburt hatte sein ältester Bruder bereits das Haus verlassen,der zweite, Ferdinand, stand an seiner Wiege mi t Lesebuch und Schiefertafel,während der andere, Carl, ihn mit seinen ersten Sprechübungen als neuen Gespielenbegrüsste.
Die später geborenen Kinder einer Familie haben meist den Vortheil, dass sie,heranwachsend bei den älteren Geschwistern, wenn diese Sinn dafür haben, gewisser-massen in eine Vörbereitungsschule kommen; spielend lernen sie die Hieroglyphendes Alphabetes und der Schrift, und was den Andern mit Mühe eingeprägt wurde,wird diesen wie von ungefähr. So ging es auch mit Heinrich. Er war ein sehraufgewecktes Kind und drängte selbst zum Besuche der Schule. Bis zu seinemschulfähigen Alter hatte sich der Unterricht in seinem Heimathsorte um Nichtsverbessert, im Gegentheil, der alte Präceptor war noch gebrechlicher geworden,
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