einem anderen bald folgenden im besseren Leben die Wohnung zu bereiten: schmerz-zerrissen und bis in's Innerste erschüttert stand Carl am 10. September 1854 amTodtenbette seiner geliebten Gattin, die ihm das Dasein so reich geschmückt, mitder er 26 Jahre in der glücklichsten Ehe gelebt hatte, und deren Tod ihm dieNichtigkeit des Erdenlebens klar vor die Augen stellte.
Nach einer testamentarischen Verfügung seines Bruders Ferdinand wurde ernach dessen Tode Theilhaber des Leipziger Geschäfts und dessen Fabriken und esblieb nun die Aufgabe seines Lebens, das Vertrauen, dessen sich sein Bruder erfreuthatte, auch seinerseits zu rechtfertigen und seinen Schmerz um so viele schwereVerluste durch rastlose Thätigkeit zu bekämpfen.
Um den Rest seiner Tage nicht vereinsamt zu leben, entschloss er sich zueiner zweiten Ehe und vermählte sich am 6. October 1855 mit pauline mariannegertrüde Friederike , Tochter des verstorbenen Universitäts-Buchhändlers FriedrichHeyer aus Giessen. Dieser Ehe entsprossten zwei Söhne, wodurch sein höchsterWunsch erfüllt war.
Nachdem das Leipziger Haus durch den Eintritt der beiden jüngsten SöhneFerdinand's ausreichende Stützen gefunden hatte, entschloss sich Carl Flinsch am1. September 1862 zum Rücktritt aus dem Geschäfte. Er lebt seitdem als Privat-mann mit seiner liebenswürdigen Gattin in Darmstadt, und seine ganze Sorgfaltist der Erziehung seiner beiden Söhne gewidmet. Durch die Gastfreundschaft beiderEhegatten bildet ihr Haus den Mittelpunkt der gewähltesten Gesellschaft der Residenz.
Aber auch dieses Glück wurde des Oefteren getrübt und mancher unersetzlicheVerlust war zu beklagen, denn der Kreis der geliebten Angehörigen, der vieleJahre so frisch und blühend gewesen, lichtete sich immer mehr.
So musste Carl am 20. December 1857 den Bruder Christian, am 11. Juni 1861die Wittwe seines Bruders Ferdinand, am 20. Januar 1865 seinen Bruder Heinrichzu Frankfurt und vor wenigen Wochen, am 9. Februar d. J., seine einzige SchwesterChristiane beweinen.
Was ihn aber im Rückblick auf sein reiches Leben mit voller Befriedigungerfüllen wird, ist der schöne Gedanke, dass er bis zum Tage seines Rücktritts derhingehendste Mitarbeiter und allezeit der Förderer des Wohlstandes seiner Brüderund des Ruhmes des Hauses Flinsch gewesen ist, und darum auch ihm die Ehre!
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