Druckschrift 
Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

und so musste auch er mit den Mitteln beginnen, die den Brüdern so wenig genügthatten. Ferdinand war zu jener Zeit bereits in Schleiz in der Lehre, denn er wardem Kleinen um zehn Jahre im Alter voraus. Als der Besuch der Schule einer Stadtsich nun so erfolgreich am Bruder Carl bewies, wurde durch den älteren auchder jüngste Bruder dorthin gezogen und blieb unter seiner Aufsicht, bis die Zeitdes Schulbesuchs für den geliebtenBenjamin" vorüber war. Und gleichwie dervorsorgliche Ferdinand die Zukunft CaiTs im Auge hatte, so erwirkte er nun fürden folgenden Bruder ein Unterkommen und brachte Heinrich als Handlungslehrlingzu Heinrich Hartenstein in Lobenstein, woselbst er eine tüchtige praktische undtheoretische Ausbildung erhielt. Giern wäre er nach beendeter Lehrzeit mit vollenSegeln in die Welt gefahren, denn er fühlte schon damals den heissen Drang nachselbständigem Wirken in sich glühen; er wurde jedoch im Jahre 1817 in daselterliche Haus zurückgerufen, um die Papiermacherei zu erlernen und den alterndenVater zu unterstützen, denn Christian war auf seiner Wanderschaft. Willig folgteHeinrich dem Wunsche der Eltern; schon nach kurzer Zeit verstand er das Geschäftdes Vaters aus dem Grunde, so dass der Zweck seiner Heimberufung erfüllt war.Und welch reicher Segen sollte ihm und den Brüdern dereinst aus seiner prak-tischen Ivenntniss dieses Geschäftes erblühen, denn auf dieser Grundlage sollte erweiterbauen, und so der Begründer einer anderen Papierfabrikation werden. Wirwissen, dass bald nach jener Zeit der Ruf seines Bruders Ferdinand zur Gründungeiner grossen Papierhandlung an ihn erging und wie freudig er diesem Rufe folgte.Christian war heimgekehrt und bereicherte mit neuen Erfahrungen die Arbeit desVaters, und demKleinen" war kein Halt mehr geboten. War schon die ZuversichtFerdinand's auf das Gelingen des Planes eine grosse, so überstieg die Hoffnungund der jugendfrische Muth Heinrich's alle Grenzen er sollte ja in die weite,schöne Welt.

Seine Hoffnungen, sein Glauben haben ihn nicht betrogen.

Die Erfolge der Brüder Flinsch sollen hier nicht wiederholt werden, nur Das,was eingreifend in das Leben Heinrich's ist, müssen wir noch einmal leise berühren.

Als ein wichtiger Abschnitt seines Lebens gilt zunächst die Gründung des zweitengrossen Papiergeschäfts in Offenbach im Jahre 1827, dessen ausschliessliche Leitunger übernahm und mit welchem er ein Jahr später nach Frankfurt übersiedelte.Der in demselben Jahre erfolgte Tod seines Vaters erschütterte ihn tief; er wussteja vordem nicht, was verlieren heisst, und hatte mit so inniger Liebe an seinemVater gehangen. Rastlose Beschäftigung half ihm indess über die Kluft mit mildheilender Hand hinweg.

36