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Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
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Bis dahin hatten die Buchdrucker ihren Bedarf zumeist von den Papiermühlenselbst beziehen müssen. In diesen letzteren wurden Druckpapiere gewöhnlich nurim Winter gefertigt und mussten oft lange vorher bestellt werden. Einem plötzlichenBedarf war kaum abzuhelfen und nach keiner Seite hin waren die Schwierigkeiten,die in der Herstellung des Papiers selbst lagen, zu beseitigen, denn jede einzelneFabrik brachte ein anderes in Farbe, Güte und Format, und da zu grösserenWerken in der Itegel die Kräfte mehrerer Fabriken erforderlich waren, so ist eseinleuchtend, dass jene bei ihrem Erscheinen zugleich als Papier - Musterkartendienen konnten. Man betrachte nur die ersten Ausgaben von Goethe,.oder vonHerders Cid, man sehe die Almanache, Zeitschriften und Landkarten jener Periode,so wird man finden, dass in heutiger Zeit ein gutes Colonialwaarengeschäft besseresPapier zu seinen Düten verwendet.

Zwar gab es in Bayern einige Papierhandlungen, welche von mehreren indiesem Lande gefertigten Druckpapieren Lager unterhielten. Diese boten aberimmerhin noch eine beschränkte Auswahl. Wer also bessere und feinere Papiereund eine grössere Menge derselben bedurfte, musste zum Auslande seine Zufluchtnehmen, und mit welchen Opfern an Zeit und Geld dieses meist verknüpft war,liegt jedem Einsichtigen klar vor Augen; ebenso auch, wie ein solcher Mangellähmend auf Buchdrucker- und Holzschneidekunst, auf Buchhandel, Notendruckund viele andere hierhin zielende Geschäfte einwirken musste.

Ferdinand Flinsch erkannte, wie schon oben gesagt, dieses Uebel in seinerganzen Grösse; es zu heilen erschien ihm wie eine schöne Mission. Er hatte nichtvergebens in der Papiermühle seines Vaters tagelang dem Processe zugeschaut,durch den das Papier seine Gestalt erhielt; er sah nicht ohne ein inneres Bedauern,auf welchen Fetzen die grossen Gedanken seiner Lieblingsdichter verewigt waren.Es drängten sich in seinem Geiste bunte Pläne durcheinander, aus denen sich dereine endlich klar und sicher löste: in Leipzig, dem Mittelpunkte des Buchhandels,ein reich ausgestattetes Lager aller gangbaren Papiere zu errichten.

Dieses Ziel zu erreichen, musste er jedoch in sich selbst noch eine Lücke aus-füllen, und dass er dieses erkannte und auch vollbrachte, beweist uns wieder,wie er gerade seinem eigenen Ich keine Schwäche verhehlte. Er schied ausdem Lattermann'schen Geschäfte, in dem er so gute Dienste geleistet hatte, ausund nahm dafür eine Stelle in dem Bankhause von Heinrich Küstner & C ie - inLeipzig, um auch diesen wichtigen Geschäftszweig in allen seinen Einzelheitenkennen zu lernen und die gewonnene Einsicht später in seinem Geschäfte zuverwerthen.