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Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
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Kaufleuten, oder durch gute Bücher in den freien Augenblicken sich die Handels-wissenschaften zu erwerben und andere Kenntnisse zu verschaffen, und somit erranger, was er in der Schule vergebens ersehnte.

Das Wissen, welches er im Handelsfache sich früher erworben, sowie dasStreben, unabhängig und selbständig zu werden, führten ihn schon in jener Zeitzu dem Versuche, eigene Geschäfte zu machen. Anfangs waren diese freilich sehrklein und gering, sie ermuthigten ihn aber, da er einen günstigen Erfolg hatte,dergestalt, dass er bald grössere Unternehmungen wagte. Den bedeutendstenUmsatz auf solche Weise machte er mit Papier, was um so natürlicher war,als sein Sinn immer mit Vorliebe auf die Erzeugnisse seines Vaters gerichtet blieb.Einer seiner Oheime betrieb in Laubnitz ebenfalls eine Papiermühle und sah mitFreuden, wie der Neffe bei ihm Bestellungen machte, wie der junge SpeculantPapierhändler und Buchdrucker mit seinen Produkten versorgte. So machteFerdinand auch mit dem damals sehr renommirten Papierhändler Liebeskind inLeipzig bedeutende Geschäfte und gern erzählte er später, wenn einmal die Bedeauf diesen Anfang seines Geschäftslebens kam, wie Liebeskind einst auf einerGeschäftsreise ihn, den Papierhändler Flinsch, in Schleiz aufgesucht habe und sehrerstaunt gewesen sei, blos einen Lehrling zu finden. Der erfahrne Mann hatte sichaber nach dieser Begegnung keineswegs von seinem jugendlichen Geschäftsfreundezurückgezogen, er schenkte ihm ipi Gegentheil ein noch grösseres Vertrauen undermunterte ihn auf das Liebreichste zu fernerem Bestreben.

Indem er sich so mit seinen eigenen Handelsunternehmungen beschäftigte,verdoppelte er auf der anderen Seite seinen Eifer in den Arbeiten seines Berufes.Daneben widmete er sich auch noch aus innerstem Herzensbedürfnisse der Erziehungseiner jüngeren Brüder; er brachte sie auf eine gute Schule in Schleiz und als ersie so in seiner Nähe hatte, wachte er mit einer selbst unter Geschwisternseltenen Sorgfalt über ihre Bedürfnisse und war ihnen, wo er konnte, mit Rathund Tliat zur Seite.

Endlich hatte er auch den Zwang der Lehrzeit überwunden. Doch er wäresich selber als undankbar erschienen, wenn er seine in dem besagten Hausegewonnenen Kräfte dem Geschäfte entzogen hätte, weshalb er gern in den ihmlieb gewordenen Verhältnissen blieb, als ihm hierzu die Aufforderung wurde. Injenen Tagen führte er auch seine Brüder, als sie der Schule entlassen, gleichfallsin die Handelswelt ein; er brachte sie als Lehrlinge in passenden Häusern unterund sah mit Befriedigung, wie auch sie wahre Neigung und Beruf im Kaufmannsstandegefunden hatten.

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