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Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
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haben, um sein Wissen ausserhalb der Schulstunden zu erweitern; denn zumeistsah man ihn mit seinem Buche allein. Hierfür spricht auch sein ganzes späteresLeben, er kannte für seinen Ideengang keinen Stillstand.

In jener Zeit hörten die Kinder im 12. oder 13. Lebensjahre* mit dem Besuchder Schule gänzlich auf. Von da an nahm sie der Beruf in seine harten Armeund die Notwendigkeit der Existenz drängte sie schon früh in die ernste Schuledes Lebens. So ging es auch hier.

Als der ältere Bruder Christian in die Lehre trat, um das in der Familieforterbende Papiermachergeschäft zu erlernen, entwarf sich Ferdinand gleichfallsim Stillen einen Lebensplan, und er entschloss sich, Kaufmann zu werden, wasseinen Eltern ganz willkommen war. Schon bald durfte er seiner Neigung folgen:sein Vater fand für ihn in Hof, in dem damals wohlbekannten grossen Material-waaren-Geschäft von Wolfram eine Stelle. Mit frohem Muth, mit einem Herzenvoll junger Hoffnung, wanderte der kleine zwölfjährige Knabe in die Weite. DerSchmerz, den ihm das Losreissen von den Seinigen brachte, wurde einzig durchden Gedanken gemildert, dass er nun endlich etwas Ordentliches lernen könne.Durch Eifer und Ordnungssinn, die er fortan in allen Verhältnissen seines neuenLebensberufes zeigte, erwarb er sich auch sehr bald neben guten Kenntnissendas unbegrenzte Vertrauen seines Lehrherrn. Er schilderte später selbst diese Zeitals einen hellen Sonnenblick in sein erwachendes Dasein, an den sich zugleich aberauch wieder ein trüber Schatten hing, denn schon nachdem er zwei Jahre in derLehre war, musste sein Lehrherr, durch den Krieg und die daraus folgendenUmwälzungen aller staatlichen und bürgerlichen Verhältnisse gedrängt und in Sorgegerathen, sich entschliessen, sein einst so blühendes Geschäft aufzugeben.

Ferdinand kehrte in das elterliche Haus zurück. Er wollte und durftenicht thatlos bleiben, und so war es für ihn ein freudiger Tag, als er nach kurzerZeit in dem noch jetzt rühmlich bekannten Hause Weisker & C ie - in SchleizAufnahme fand, wo er seine unterbrochene Lehrzeit beenden konnte. Wohl wardie Stellung in jenem Geschäfte für ihn nicht die angenehmste; es war in demselbenein höchst lebendiger Verkehr, alle Kräfte wurden angespannt, und nicht seltengeschah es, dass er täglich 16 volle Stunden im Laden zubringen musste. Dochdie Liebe zu seinem erwählten Berufe, der feste Vorsatz, etwas Tüchtiges zuerlernen, überwand bei ihm alle Schwierigkeiten. Bald hatte er auch dasWohlwollen seines neuen Lehrherrn gewonnen und er fand sich durch eine zuvor-kommende Behandlung für manche Mühe entschädigt. Obgleich den ganzen Tagmit Beschäftigung überladen, suchte er doch durch Unterhaltung mit älteren