Druckschrift 
2 (1868)
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

Vor diese hohe Gnade verharre Zeit Lebens in devotesten respeetEu. Magnifieence und Hochedelgeb. Herrliehk.

gantz nnterthäniger gehorsamster DienerLeipzig d. 7. Juny ao. 1733.

Wilhelm Friedemann Bach."

Eigentümlich genug nimmt sich dies Schreiben aus,wenn man daran denkt, dass dasselbe von einem jungenManne herrührte, der nach erlangter wissenschaftlicher Vor-bildung auf der Thomasschule 4 Jahre lang zu Leipzigdie Rechte und die Philosophie als sein Ilauptstudium ge-trieben hatte.

Der Brief ist übrigens ganz von seiner Hand, in sehrausgeschriebener, fester, an Sebastian Bach erinnernderHandschrift geschrieben 1 ) und mit den eigentümlichenRedewendungen jener Zeit, wie man sieht, reichlich durch-flochten.

An demselben Tage ging ein zweites Schreibenin sehr ähnlichen Ausdrücken (siehe Anhang II.) anden Apellationsgerichtsratli und Stadtsyndicus Schröter,damals Consul regens (dirigirender Biu-germeister) zuDresden ab, in welchem die gleiche Bitte vorgetragenwurde, und welches sich gleichfalls in eigenhändiger SchriftWilhelm Friedemann's durch eine in sonderbaremFranzösisch geschriebene Adresse auszeichnet. Der genannteBürgermeister scheint ein persönlicher Donner der FamilieBach gewesen zu sein. Denn nachdem bereits im MonatMay verschiedene andere Gesuche um dieselbe Stelle ein-

i) Auch Friedemann's Notenschrift war der des Vaters nichtunähnlich, zumeist fest und bestimmt. Correcturen finden sich beiihm nicht häufig. Dagegen benutzte auch er die leereu Systemeseiner Partituren in den Cantaten, um diese mit Arien und Recitativenzu füllen. Am Anfange der Cantaten findet sich nicht selten dasvon Sebastian Bach her bekannte J. J. (Jesujuva) und am Schlussdas S. D. G. (Soli Deo Gloria).

Wäre er weniger diesen Aeusserlichkeiten des Vaters gefolgt, alsdessen grossem Streben, seiner klaren Gewissenhaftigkeit gegen dieKunst und die Menschen, seinem Fleiss und der Treue des Handelnsgegen seine Familie!