Druckschrift 
2 (1868)
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 

148

oberflächlich melodiösen Manier, die eine Zeit lang für diemusterhafteste Schreibart in der Musik galt.

In den von ihm und Abel dirigirten Concerten zuLondon und auch später noch wurde öfter eine von ihmcomponirte Sinfonie für 2 Orchester aufgeführt. Eineseiner Opern: la Clemenza di Scipione ist noch imJahre 1805, durch Elisabeth Billington, eine berühmteSängerin aus dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts,die eine Zeit lang (etwa um 1775) seine Schülerin gewesenwar, auf die Bühne gebracht worden'). Zu den sonstvon ihm componirten Opern gehörten 2 ): Orfeo, Catone,Especie di tormanto, Demofonte, Gioas Re di Guida, Laconfusa smaritata.

Nach Junker 3 ) wäre J. Chr. Bach auch von demKurfürsten Carl Theodor zur Schöpfung einer Oper nachMannheim berufen worden, wovon dort freilich nichts be-kannt ist.

Nicht alle seine musikalischen Sünden, die der Oeffent-liclikeit anheimgefallen, sind ihm voll anzurechnen. Ineinem Briefe vom Jahre 1783 aus London 1 ) heisst es:Sie müssen sich nicht wundern, wenn man so oft Werkevon Bach und Abel im Stiche sieht, die man in Deutsch-land für mittelmässig oder unter der Würde dieser beidenberühmten Männer gehalten hat. Dies verhielt sich so:Beider Werke, die sie für's Publikum bestimmt hatten,gaben sie an Brenner und Walker zu stechen, die da-für reichlich bezahlten. Alles Andere ist ganz widerWissen und Willen derselben entwandt und ohne Erlaub-niss, ja sogar Einiges falsch unter J. C. Bach's Namengestochen worden. Die Entwendung ist folgendermassengeschehen. Da man von denselben selbst nichts erhalten

p Pohl. Mozart und Haydn in London. S. 15 u. 326.

2 ) Katalog von Musikalien von Westphal in Hamburg. 1782und Nachlass-Katalog von Paul Scheel in Itzehoe.

3) Skizzen. (Bern) 1776. S. 15.

4 ) Cramer's Magazin f. Musik. 1783. Th. I. S. 553.