— 141 —
während der eine sein Talent vergeudet, der andere das-selbe unfruchtbar hat verkommen lassen, haben beide demehrlichen Namen ihrer Familie einen, ihm bis dahin un-bekannten Makel aufgedrückt.
0 bschon von beiden, insbesondere von Friede mannBach sehr ausgezeichnete Arbeiten auf die Nachwelt ge-kommen sind, so zählen beide doch nicht zu denen, derenWesen und Arbeit neue Bahnen eröffnet, neue Kunstzweigebelebt, die vorhandenen höherer Vollendung, grösserer Voll-kommenheit entgegen geführt hätte. Ihre Berechtigung fürdie Kunstgeschichte beruht vorzugsweise in ihrer Eigen-schaft als Söhne eines grossen Vaters.
Doch ist das Absterben der Familie desselben ein sobedeutungsvolles Ereigniss, dass es selbst in seinen unwür-digen Sprossen ein Recht auf Beobachtung in Anspruchnehmen darf. Zweihundert Jahre hindurch hatte das Ge-schlecht der Bach seit dem Urvater Veit Thüringen undSachsen mit zahlreichen Musikern versehen, die zum über-wiegenden Tlieile zugleich Künstler gewesen waren. Ausihm vor allen hatte sich die contrapunktische Schule re-crutirt, deren glänzendster Schlussstein Sebastian Bachgewesen ist. Seine Schüler waren es, die zu Berlin ingemeinschaftlichem Wirken jene neue Schule gebildet hat-ten, durch welche die altklassische Musik im Gegensatz zuder von der Opernbühne her mehr und mehr um sichgreifenden italienischen Geschmacksrichtung gepflegt undfortentwickelt wurde, und die in Em. Bach, Kirnberg er,Marpurg, Nickelmann, Quantz, Agrieola, den Ben-da's und selbst in Graun und seinem Bruder ihre Ver-treter gefunden hatte.
Nun sollte das Geschlecht von der Welt abtreten.
Johann Christian, genannt der Mailänder oder derLondoner Bach, war im Jahre 1735 zu Leipzig geboren,der elfte Sohn Sebastian's. Bei seiner Geburt lebtenausser Wilhelm Friedemann, Emanuel und Chri-stoph Friedrich noch drei andere Söhne desselben, von