- 73 —
Schöpfungen, wie bewunderungswerth viele von ihnen waren,culminiren in diesen Liedern, und der ungeheure Lieder-schatz, den die spätere Zeit erschlossen hat, ist denselbenwenig überlegen.
Die Einfachheit der äusseren Behandlung geht mitder Tiefe und Innigkeit der Gedanken, mit deren zumTheil grossartiger Kühnheit und mit dem vollen Reize derharmonischen Behandlung Hand in Hand. Die Naivetät, diegrade in der Liederform des vorigen Jahrhunderts oft soreizlos hervortritt, verschwindet hier fast durchgehends.An ihre Stelle tritt eine Vertiefung in den Inhalt derGedichte, die von jeder kleinlichen Auffassung weit ab-weichend. den Anspruch voller Ebenbürtigkeit mit demBesten erheben darf, was spätere Zeiten geleistet haben.
Lieder, wie aus der ersten Sammlung das Pfingstlied:„Sei, Weltversöhner, sei gepreist," Gottes Grössein der Natur; der Tag des Weltgerichts „Wenn derErde Gründe beben;" das Neujahrslied „Schon wiederist von unsrer Zeit," mit der reizenden Abwechslung derStrophen in Moll und Dur, die Fortdauer des Lebens Jesu:„Umsonst empört die Hölle sich;" aus der zweitenSammlung: Menschenliebe Jesu „Dich her ich an, HerrJesu;" das Bassionslied „In Todes Aengsten hängstDu da;" Empfindungen einer Sommernacht „Der Mondist aufgegangen;" ein Lied, das eine der Zeit des Ton-setzers soiist ganz fremde Stimmung, die romantische, insich trägt; ferner Fürbitte des gekreuzigten Jesu „UmGnade für die Sündenwelt," endlich Jesus in Gethse-mane „Schau hin, dort in Gethsemane," sind solche,welche keinem einzigen der so gefeierten modernen Liederweichen dürfen, vielen unter ihnen aber an innerer Einheitund Gedankentiefe überlegen sind.
Auch hier ist das Accompagnement kein vollständiges.An vielen Stellen bedarf dasselbe der Ausfüllung.
Da die liiezu erforderliche Fertigkeit heut wohl meistensfehlen dürfte, so würde sich eine neue, nach dieser Seite