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2 (1868)
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Diese Auslassimg zeigt, dass Bach mit der Composi-tion dieser Psalmen gegen die G-eHer t'sehen Lieder einenFortschritt gemacht zu haben glaubte. Aber auch hierverhehlt er seine schon dort ausgesprochenen Bedenkenüber die Schwierigkeit nicht, eine Melodie zu mehrerenVersen zu schaffen. Und doch hätten gerade die Psalmen,die im Versmaass oft mehr als ein Metrum haben,"ihn darauf hinführen können, dass er durch grössere Aus-führung der Compositionen einen Schritt auf seiner Bahnweiter gehen müsse. Er hat offenbar geschwankt, ob erdiesen Schritt thun solle, oder ob erden Liebhabern,die in der Ausführung noch nicht stark sind," dieZumuthung grösserer Schwierigkeiten und eomplicirtererFormen stellen dürfe. Denn er sagt ausdrücklich,dassdiese Psalmen bei einer weitläufigeren Ausar-beitung ungleich mehr gewonnen haben würden."Aber die Rücksicht auf das Publikum, das solchen Aufgabenoffenbar nicht gewachsen war und auch, wie es scheint,dies dadurch vertheuerte Werk nicht gekauft haben würde,überwog. Vielleicht war es sehr lebensklug, dass er sohandelte. Ob man es vom künstlerischen Standpunkt ausbilligen darf, ist eine andere Frage. Nach dem, was diesePsalmen schon in ihrer beschränkten Form bieten, würdeeine freiere Behandlung in grösseren Umrissen zu einerausserordentlichen Leistung geführt haben.

Wie Bach sich mit voller Bewunderung über denInhalt ausspricht, so hat er sich offenbar mit Vorliebe inihre Poesie versenkt. Er steht in der That auf einerhöheren Stufe als in den Gellert'sehen Liedern. Er hattein dieser neuen Kunstform festen Fuss gefasst und in derbeschränkten Weise, die er sich nun einmal auferlegt hatte,eine gewisse Grösse und Vollendung erreicht. So sind dieeinzelnen Lieder dieser Sammlung noch jetzt von wohl-thuender Schönheit. Einzelne sind mehr ausgeführt alsandere: z. B. der 8. Psalm, der ganz durchcomponirt, inseinem prachtvollen Schwünge sicli als ein wahrhafter

Bitter, Emanuel und Friedemann Bacli. II. 5