— 54 —
noch bemerkt, dass Bau und Charakter derselben mehran Händel als an Sebastian Bach erinnern.
Der zweite Theil beginnt mit No. 13, einem langen,zum Theil accompagnirten Recitative (Adagio di molto,G-dur, Allabr.) „Dort seh' ich aus den Thoren Jeru-salems," in sehr feierlicher Instrumental-Einleitung.
Jesus begegnet den Jüngern, gesellt sich unerkanntzu ihnen und deutet ihnen, wie sich an ihm die Schrifthabe erfüllen müssen.
Die Anlage uud Ausführung dieses Stückes ist denvorhergehenden Recitativen gleich. Die die Reden Jesubegleitenden Accordfolgen sind von thematisch charakteri-stischen, in den herrlichsten Modulationen sich bewegendenViolin-Figuren durchflochten, das Ganze ein Meisterstückvon harmonischen Gedankenfolgen.
In dem ersten Satze der folgenden Arie No. 14 „Will-kommen, Heiland" (Allegro, Es-dur 4 / 4 ), concertiren dieViolinen mit dem obligaten Fagott in dem reichen Schmuckelebhafter Triolenflguren. Der Mittelsatz „Der Heiligestirbt für Verräther" (G-moll 2 [ 4 ), wird ohne das Solo-Instrument von dem Streich-Quartett begleitet. Den Schlussbildet ein langes Nachspiel, in welchem die concertirendenInstrumente die Motive des Hauptsatzes wiederholen.
Wohl tliut nach dem langen Recitativ und dieser Arieeine kräftige Unterbrechung des eintönigen Charakters,der sich doch darin geltend machte, Noth. Bach wieder-holt zu den Worten: „Triumph, der Fürst des Le-bens sieget," den Chor No. 5 des ersten Theils miteiner nur sehr geringen Veränderung. Die frische Kraftseiner Rhythmen und der Glanz der instrumentalen Be-gleitung wirken wohlthätig belebend.
Wiederum folgt in N o. 16 ein langes Recitativ fürTenor „Hilf auserwählte Jünger," in der Gestalt dervorigen Recitative, die Geschichte Thomas, des ungläu-bigen Jüngers, behandelnd. Die letzten Strophen von denWorten an „Der Friede Gottes," werden ohne die sonst