Hieraus ergiebt sieb, dass auch hier die Arie und dasariose Element weithin vorherrschen. Der Choral, der inden übrigen Oratorien ähnlicher Tendenz eine so wesent-liche und hervorragende Stellung einnimmt nnd der selbstin der Passions-Cantate mehrfach Anwendung gefundenhat, fehlt hier merkwürdiger Weise ganz. Was Em. Bachdem vorliegenden Teste, wie er einmal war, abgerungen hat,ist allerdings erstaunlich. Dies Oratorium ist, abgesehenvon dem nur aus einem grossen Chore bestehenden Heiligunzweifelhaft das Bedeutendste, was er überhaupt ge-schaffen hat, eine Arbeit, in der der Ernst des dem Greisen-alter nahestehenden Mannes, seine tiefe Kenntniss derWirkungen, seine Wissenschaft und überlegne Gewandt-heit in den Formen, so wie seine ausserordentliche har-monische Kraft mit einer gewissen idealen Hoheit in derAuffassung Hand in Hand gehen.
Aus dem Texte wird man ersehen, dass jene Begeben-heiten Gegenstand der Dichtung sind, welche in der Schriftdem Tode und der Grablegung Christi unmittelbar folgen:die Auferstehung des Herrn, sein Erscheinen unter denJüngern und seine Himmelfahrt. So beginnt die epischeDarstellung da, wo der Tod Jesu Rammler's aufhört,mit
ho. 1, einer Instrumental-Einleitung, welche die düstreStille an dem Grabe Jesu, die Ruhe der Erschöpfungnach dem Tode des Heilands, den Stillstand der Natur,das Stocken ihres sonst so frisch pulsirenden Lebens ineinem unheimlich leisen Klagegesange darstellt.
Dieser kurze symphonische Satz (Adagio di molto,D-moll %), in welchem die Bratschen und Bässe unisono19 Takte lang, ohne jeden anderen Instrumental-Zusatzmiteinander fortschreiten, beginnt leise, steigt gegen dieMitte zu und fällt dann Avieder in die erste Düsterheitzurück, in der die Töne nach und nach ersterben.