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Reichardt wohnte im Jahre 1774 einer Aufführungdieser Passionscantate in der später abgehrannten Petri-Ivirche zu Berlin bei. Er rühmt an ihr Originalität,passenden, starken und neuen Ausdruck, anhal-tende (Stärke und heftiges Feuer". In jedem Recitativ,in jeder Arie, in jedem Chor ist Erfindung und Neuheit,sowohl in der Harmonie als im Gesänge. Und nichts un-edles in allem, bis auf eine geschwinde Arie (muthmasslichNo. 13), deren spielender Witz sich wohl nicht recht fürdie Kirche schicken möchte" 1 ).
Bald nach Em. Bach's Tode im Jahre 1789 erschienein von Steinfeld gefertigter Ciavier-Auszug, der derHerzogin Luise Friederike von Mecklenburg ge-widmet war.
Er hatte nur 97 Pränumeranten gefunden, unter diesenkeine einzige Person von einiger Bedeutung. Freilich gaber nach damaliger Weise weder den Gesang noch dieBegleitungsstimmen in hinreichend befriedigender Weiseund stellte von dem Werke daher uns ein unklares undwenig treues Bild dar 2 ).
Das dritte der von Bach geschriebenen Oratorien istbetitelt: Carl Wilhelm Rammler's
Auferstehung und Himmelfahrt Jesu,
1) Briefe eines aufmerksamen Reisenden. Th. I. S. 111.
2) Sollte eine Wiederbelebung dieses Oratoriums stattfinden, wasbei dem fühlbaren .Mangel an neueren derartigen Werken jedenfallserwünscht sein miisste, dann würde es geboten sein, einen Theil derSeeco-Recitative zu kürzen, die Arien, etwa mit Ausnahme der Tenor-Arie No. 11 und der Bass-Arie No. 15, ebenso das Duett No. 17 fort-zulassen, im Uebrigen aber die bleibenden Recitative von No. 3 bisNo. 18 durch Choräle zu unterbrechen, deren ja Em. Bach so vielehinterlassen hat. In solcher Form würde die Passionscantate eineebenso erwünschte als edle Bereicherung des Kreises der musikalischenAufführungen in der Passionswoche sein. Und in dieser Form würdenauch die wirklichen und bleibenden Schönheiten des Werkes in dasrichtige Lieht treten und, wie sie es verdienen, auch von der Jetzt-zeit gewürdigt werden.