— 43 —
ginnt ein neues Solo für Bass: „Singet Dank/' mit Be-gleitung des Quartetts, in welchem die erste Violine dieViolinfigur aus dem Hauptsatze aufnimmt und so in diesenzurückleitet. Mit der vierten Wiederholung desselbenschliesst das Werk.
Ob dasselbe so, wie es aus Bach's Feder geflossen ist,der jetzigen Geschmacks Richtung selbst in klassischemSinne zusagen würde, steht dahin. Das Ganze leidet,der zahlreichen Schönheiten ungeachtet, doch unter derEinförmigkeit des Textes. Die Häufung der Arien undRecitative würde in jedem Falle ermüdend wirken 1 ). Derdamaligen Zeit lag ein derartiges Bedenken fern.
!) Die Ausführung, dieses Werkes bietet nach mehr als einer Seitehin Schwierigkeiten. Doch sind diese gegenüber den Anforderungen,welche Sebastian Bach an das ausführende Personal stellte,kaum neunenswertli. Eine in den Studien für Tonkünstler (1792.Berlin. S. 188 ff.) befindliche „freimüthige" Kritik, als derenC. S. unterzeichneten Verfasser man den durch seine sonderbarenUrtheile über Seb. Bach bekannten Hofrath Spatzier vermuthenmöchte, sagt: dies Passions-Oratorium sei ihm immer als eine kolossali-sche Masse vorgekommen, die ein grosser Künstler seinem eigenenGeiste als ein grosses Denkmal dessen, was er mit dem Apparatseiner Kenntnisse vermochte, hingeworfen habe, um auf demselben umso erhabneren Schrittes der ihm längst gebührenden Unsterblichkeitentgegenzugehen; Aber auch als ein Werk, das wegen eines daranauf Kosten des Gesanges verschwendeten Reichthums an Harmonieund Modulation theilweise nur sehr schwer verstanden und nicht ohnezeitliche Mühe genossen werden könne. Im weiteren Verlauf ihrerAusführung bemerkt die Kritik ferner, dass in den Arbeiten Bach'süberhaupt ein so süsser, melodiöser Gesang nicht herrsche, als in denWerken eines Graun, Hasse, Naumann, Reichardt. Was bezüg-lich der Gelehrtheit und schweren Verständlichkeit der Passions-Cantate gesagt ist, kann füglich auf sieh beruhen. Doch muss im Allge-meinen zugegeben werden, dass, zumal für die Arie Graun, Hasseund Naumann melodiöser geschrieben haben. Aber es war diesnicht um deswillen der Fall, weil Bach gelehrter als sie hätte schrei-ben wollen, sondern weil er seine Arien, wo ihn Text und Situationnicht besonders anregten, ohne eigentliches Interesse hinwarf, nur umArien gesetzt zu haben. Was würde aber Spatzier wohl gesagthaben, wenn er die ihm ohne Zweifel unbekannt gebliebenen Passions-Musiken, Cautaten und Messen Sebastian Bach's zu hören be-kommen hätte?"