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Dass der Charakter des christlichen Kirchenliedesin die Umgebung des alten Jndenthums passe, in dieer hier so plötzlich hineinversetzt wird, dürfte kaumbehauptet werden. Der Choral ist eben ein ausschliesslichder christlichen Kirche Angehöriges nnd kann nicht will-kürlich in jene Urzeit verlegt werden, ohne dass das ihmeigentümliche Wesen verletzt wird. An dieser Stellekann er daher, so sinnreich die Melodie gewählt ist, diebeabsichtigte Wirkung nicht tliun.
No. 19. Auf ein Recitativ des Tenor, welches wiedas des Aaron im ersten Theil von Quartettaccorden be-gleitet wird, dessen Text die Verheissungen der Erlösungals erfüllt darstellt und der daher ganz ausserhalb des ge-gebenen Stoffes steht, folgt endlich
No. 20. der Schlusschor (Es-Dur s /., Larghetto, mit al-len Instrumenten), „Lass Dein Wort, das uns erschallt"welcher, dem Chore No. 17 ähnlich, ohne besondere Eigen-tümlichkeit und eigentlich ohne innere Notwendigkeitdas Oratorium schliesst.
Diese Darstellung wird ergeben, dass die inhaltloseLyrik des 2. Tlieils, aller Anstrengungen ungeachtet, andenen es der Componist nicht hat fehlen lassen, dem Ora-torio jede Möglichkeit einer tieferen Wirkung abschneidet.Dass Em. Bach, diesen Mangel nicht erkannt und aufeine veränderte Bearbeitung des Textes gedrungen hat,würde auffallen, wenn nicht eben sein Streben vorzugs-weise dem lyrischen Elemente in der Musik zugewendetgewesen wäre.
Dass die Israeliten zu ihrer Zeit eine vielbewunderteErscheinung waren, darüber kann nach allen vorhandenenNachrichten kein Zweifel sein. Dass man aber auf dieDauer auch die Notwendigkeit fühlte, das gegen dasEnde hin sich mindernde Interesse an dem Werke durchbesondere Mittel wieder zu heben, ergiebt sich daraus,dass man bei späteren Aufführungen den Versuch gemachthat, dem Schluss das Heilig des Meisters folgen zu lassen,