und täglich erfahren, und die er anch den lieben Meinenerwiesen hat.
In den kalten Muttertagen, die uns mehr an dieStube fesseln, verwandte ich meine übrige freie Zeit aufdie Bearbeitung einer historischen Schrift: Das alte Berg-schloß Hardenberg, eine Beschreibung der alten Ruine, ihrerUmgebung und Geschichte von der ältesten bis zur Jetztzeit,worüber ich 18 Bogen schrieb. (Abgedruckt im NorthcimerSonntagsblattc. Jahrgang 1884.)
Vor Ostern schrieb uns Rudolf von dem Auszügemeines Bruders „aus dem alten Ahnenhanse", worin meinGroßvater zur Schule gegangen, mein Vater über 30 Jahreals Kirchendiener und mein Bruder in gleicher Eigenschaftüber 16 Jahre lang gewohnt hatten. Da habe ich dieJahre meiner Kindheit verlebt, manche Freude, aber anchviel Weh und Leid mit erlebt, und so ein altes Gebäude hatauch seine Geschichte, wenn man alles zusammentragenwollte, die gar nicht so uninteressant wäre. Meine liebenEltern haben darin ihr mühevolles und arbeitreiches Lebenbeschlossen, und mit meines Bruders Auszüge ist darin eineganze Periode unserer Familiengeschichte abgeschlossen.Es war kein Schloß, nur eine morsche Hütte,
Gealtert wie ein lebensmüder Greis:
Doch waltete darin der Väter gute Sitte,
Aus deren Stamm noch blüht das frische Reis.
Ein halb Jahrhundert fast hat es geborgenDer Kinder Glück, der Eltern Lieb und Sorgen.
Rudolf wurde zu Ostern nach Untersekunda versetzt,doch mußte er sich noch einer kleinen Prüfung unterwerfenin einigen Gegenständen, in welchen er nicht recht taktfestwar. Sie war, wie er einige Tage nachher schrieb, gutabgelaufen, aber auch ein Sporn für ihn, sich gehörig zu-sammen zu nehmen.
Der Frühling mit seiner Wonne war schon eingekehrt,der Wonnemonat zeigte seine Blumen und fröhlich sangdie mnntere Vögelschaar, und stimmte auch die Menschen-kinder zur Freude, und neues Leben erwachte überall —da durchdrang eine Schreckensnachricht unser deutsches