das Gcld von Mutter geliehen hatte. Er hat aber bisheute weder das eine noch das andere ausbezahlt und ant-wortete schließlich gar nicht mehr, obgleich wir ihm dieAbzahlung so viel wie möglich erleichtern, ihm auch einBedeutendes davon schenken wollten. Er machte es abermit seinen übrigen Geschwistern nicht anders, und wennwir ihn gerichtlich belangen wollten, so hätte das seinenRuin herbeigeführt; also blieb die Sache wie sie war, wirschwiegen und er zahlte nichts. Es war uns doch aberauch nicht einerlei, wenngleich er die Schuld trug, daß wiruns als solche betrachten sollten, die »m solcher Veranlassungwillen nun allen Verkehr abbrechen sollten, und ein Schwester-Herz kann doch die Geschwisterliebe nicht verleugnen. Sosingen wir denn wieder an und schrieben ihnen am 8.Octobcr einen Brief nach Berlin, freilich in der Voraus-setzung, daß wir wohl auch keine Antwort darauf erhaltenwürden. Doch wieder Erwarten erhielten wir am 23. zuunserer Freude Antwort von unserer Schwägerin. Sietheilte uns in demselben ihre Lcbensschicksale mit und darinmerkten wir, daß die Hand Gottes schwer ans ihnen ge-legen hatte seit der Zeit, da wir meinen Schwager zumletzten Male bei dem Begräbniß unserer Mutter bei unsgesehen hatten. Er hatte damals schon einen schlimmenZehen, so daß er nur mit Anstrengung gehen konnte. Ermußte ein halbes Jahr im Krankeühanse zubringen unddie Zehe wurde ihm abgenommen. Von ihren 11 Kindernstarben 6, darunter die 8jährige Marie, ein stilles frommesKind und aller Freude, nachdem sie ein ganzes Jahr krankgewesen. Dann auch ihre älteste Tochter Helene in einemAlter von 17 Jahren nach halbjähriger Krankheit, dieFreude und der Stolz der Eltern. Dann kamen dieKriegsjahre 1866—67, wo der älteste Sohn, Otto, denFcldzng in Böhmen mitmachen mußte, und das ist aucheine Angstzeit für seine Eltern gewesen, die erst wiederfroh wurden, als er unversehrt wieder in Berlin seinen Ein-zug hallen konnte. Und abermals mußten sie in demfranzösischen Kriege ihren zweiten Sohn Paul mitgeben.
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