Güttingen, wo er stndirt, zn verweilen nnd unser Waisen-Hans, sowie uns z» sehen. Gern hätten wir ihn längerhier gehabt, aber seine Zeit war bestimmt und am andernMorgen schieden wir fröhlich im HErrn von einander.
So eilten denn die herrlichen Frühlingstage gar schnelldahin nnd wir gingen dem Himmelfahrtsfeste entgegen. Eshätte aber dieser Tag ein trauriger für uns werden können,wenn nicht die schirmende Hand Gottes gewaltet hätte.Zwei Tage vor Himmelfahrt waren einige Knaben damitbeschäftigt, Heu vom Thurmboden, wo dasselbe bis jetztaufbewahrt wurde, herunter zn werfen. Unser Rudolf warauch mit hinaufgeklettert und, da keine ordentlichen Unter-lagen unter dem Heu lagen, so fiel er Plötzlich durch nndzwar aufs Gesicht, so daß er mit einer äußerlichen Ver-letzung davonkam. Wie leicht hätte er sich zn Tode fallenkönnen, hätte der treue Gott nicht seinen Engel befohlenüber ihm. Dank und Preis sei ihm dafür gebracht, dersein Leben vom Verderben erlöset.
Am dritten Pfingsttage machten wir eine Reise nachder alten Plcssc. Es war ein herrlicher Tag, aber eineHitze, wie man sie um diese Zeit noch nicht gehabt hatte.Wir gingen durch das schöne Rodethal, durch das Gehölz,dem ziemlich hoch gelegenen alten Schlosse, einst der Sitzeines angesehenen Nittergeschlcchts, zu. Oben angelangt,lohnte eine herrliche Aussicht vom neurestaurirten Wart-thurme die Mühe des Aussteigens. Wir besahen uns dieeinzelnen Ruinen und nahmen unfern Rückweg durch dasromantische Thal Mariaspring, wo ein Musikchvr ansGüttingen dem zahlreich versammelten Publikum seineKünste prodncirte. Ziemlich ermüdet, aber fröhlichenHerzens, kamen wir Abends heim. Nun hatten wir dochauch einmal der alten Ruine, die so oft traulich im Abcnd-schimmer zn uns herüber sah, einen Besuch abgestattet, wiewir uns oft schon vorgenommen. Und im Spätherbst warenwir noch ei»mal dort, als unser Minchen hier war.
Ein besonderes Ercigniß für unsere Provinz war auchunseres Königs Wilhelm I. Er hatte einige