— 202 —
für Sonntag thätig sein mnßte. Ebenso war es bei denVorräthen für die Wirthschaft, wo man allenthalben ab-knappte. Man wollte auf der einen Seite die Instructionwohl festhalten, konnte es aber auf der andern Seite nichtdurchführen, und am Ende mußten doch die Waiseneltern,wenn etwas erreicht werden sollte, durch ihre eigene öcono-nomische Erfahrung das Beste thnn, sonst halfen alleInstructionen nichts. Und was das betraf, so hatten wirin unfern früher» Verhältnissen wohl mancherlei Erfahrungengesammelt, aber man war hier nur zu mißtrauisch geworden,als daß man den Waiseueltern auch darin freie Hand ließ.So mnßte also die Zeit erst das ihrige thnn und es mußtebeiderseits abgewartet werden, wie sich die Sache gestaltenwürde.
Somit traten wir denn im Vertrauen ans Gottesferner» Beistand das neue Jahr 1868 an, und jetzt, daich dieses schreibe, neigt es sich zum Ende und wir könnensagen:
Die Zeit kann Wohl verschwinden,
Nur Gottes Gute nicht,
Sie läßt sich täglich findenUnd gicbt mir Trost und Licht.
Nach Neujahr schrieb und unterschrieb ich die ineinigen Kleinigkeiten abgeänderte Instruction, und machteeinen Antrag in Betreff dsr mir versprochenen Wittwen-Pcnsion für meine Frau, welche mir zwar früher schonversprochen, jetzt aber vom Grafen dahin abgeändert werdensollte, daß ich erst 5 Jahre im activen Dienste des Waisen-hauses sein sollte, ehe die Gewährung derselben in Erfüllunggehen, wenn aber mein Tod eher erfolgen, also ganz weg-fallen sollte. Darauf konnte ich natürlich nicht eingehen,wollte aber doch auch dem Hause für diesen Fall keinenNachtheil erwecken, da schon eine Wittwe da war, die Fraudes frühern Waisenvaters Behrens, welcher vor Vrodtmchcrhier war, und machte deshalb dem Grafen den Vorschlag,mich in die Lebensversicherung zu geben, in welchem Falledoch später das Capital dem Waisenhanse zufiele, von den