Druckschrift 
1 (1842) A - D
Entstehung
Seite
411
Einzelbild herunterladen
 

Derscliaxi.

411

Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Grosse, vermehrte das Wappen der inseinem Lande wohnenden I). Sie führten ursprünglich in rubinfarbe-nem Schilde zwei gegen einander gewendete schwarzbraune Widder-köpfe sammt dem Halse und offenem Maule. Auf dem offenen Tur-nierhelme wiederholt sich der Widderkopf. Hie Ilelmdecken warenroth und golden. Hie Vermehrung des Wappens durch den grossenKurfürsten ist eine runde, auf einem Viereck stellende blaue Säule,die oben mit einem Lorbeerkranze umwunden ist, (und zwischen denWidderköpfen steht. Hin und wieder sieht man auch Abdrücke diesesWappens, wo Widder und Säule in Silber und das Fussgestell der letz-tern in Gold ist. Sie haben in Preussen mehrere Güter besessen undbesitzen noch in der Gegenwart daselbst einige. Namentlich ist Wor-ninkain ein altes Gut dieser Familie, das Bernhard v. H. am Endedes 17ten und zu Anfange des lften Jahrhunderts besass. Sein SohnKarl Friedrich v. H. starb am (j. August 1753 zu Burg als königlichpreuss. Generalmajor und Chef eines Fiisilierregiments.- ChristianWilhelm v. H. war um das Jahr 1679 Tribunalrath in ICönigsberg.Hessen Sohn Christian Reinhold gelangte zur Würde eines königlichpreuss. Generalmajors und Chef eines Regiments zu Fuss; auch warer Amtshauptmann zu Peitz und Cottbus und Ritter des Verdienstor-dens. Er starb, nachdem er dem ersten schlesischen Feldznge beige-wohnt hatte, am 4. Novbr. 174','. Er war ein grosser Liebling KönigFriedrich Wilhelm I., der ihn zur Ausführung vieler wichtiger Ge-schäfte und Aufträge brauchte, unter denen auch der Bau der Fried-richsstadt zu Berlin zu bemerken ist, den er dirigirte. Friedrich S .O.starb im Jahre 1713 als Oberbürgermeister der Altstadt Königsberg.Er war zu seiner Zeit als Liederdichter geschätzt. Von ihm ist dasbekannte Lied:Süsser Trost der matten Herzen." Bieser Friedrichv. H. in der Eigenschaft als geistlicher Liederdichter darf aber mit einemseiner Vorfahren, dem Hr. Bernhard Herschau, geb. 1591 zu Königs-berg , nicht verwechselt werden. Bieser Letztere ist der Verfasser desschönen Liedes:Herr Jesu, dir sei Preis und Bank!" welches heutenoch in vielen Kirchen mit grosser Andacht gesungen wird. AlsSchriftsteller hat sich auch Christoph Friedrich v. Herschau, geb. 1714zu Königsberg, ausgezeichnet. Er war bis zum Jahre 1785 Regierungs-Präsident und starb 1799 auf seinem Gute bei Aurich in Ostfriesland.Seine Schriften:die Lutheriade" undAndenken für meine Freunde"kamen ohne Angabe seines Namens heraus, (M. s. preuss. Landes- u.Volkskunde oder Beschreibung von Preussen, Königsb. 1835. S. 354 u. 355.)

In der Administration hat sich namentlich Friedrich Wilhelm vonHerschau grosse Verdienste erworben. Er war im Jahre 1723 zuBerlin geboren, und gelangte zeitig- zu hohen Staatswiirden, als zuder eines bevollmächtigten Ministers bei der Eidgenossenschaft und ei-nes Clevisch - Märkischen Kammerpräsidenten. Am 1. April 17-69wurde er wirklicher geheimer Etats - und Kriegsrath, Vicepräsi-dent und dirigirender Minister bei dem General-Oberiinanz-Krieges-und Bomainen-Birectoriuin , Landdrost des Fürstenthums Mors, Chefdes Bepartements von der Kurmark, des gesammten Postwesens, auchder Salzsachen in allen königl. Provinzen, Er starb den 24. Octbr,1779. Ein Obristlieutenant v. H. in russischen Biensten (beim Garde-Kiirassierregiinent) erhielt im Jahre 1814 den preuss. Verdienstorden,Her gegenwärtige Universitätsrichter zu Königsberg v. H. trägt aufeine sehr verdiente Weise den rothen Adlerorden 3ter Classe als An-erkennung einer edlen menschenfreundlichen That. Er rettete näm-lich im Jahre 1827 die schon aufgegebene Mannschaft eines verun-glückten Kauffahrteischill'es. M. s. Gauhe, II. S. 164. Siebenkees,1, Bd. I. Absclin. S. 32Q 24. Uechtritz diplomat. Nachrichten III,