Danckclinan.
395
und konnten daher keinen förmlichen Prozess begründen. Nichts destoweniger wurde er ohne Spruch und Recht aller seiner Würden ent-setzt, sein bedeutendes Vermögen, zu weichein die Güter Marzahnebei Berlin, Zimmerbude, Gross- und Klein-Quintainen in Preussen,Biesenbruch in der Uckermark, Ungelingen und Schönebeck in der Alt-mark, die Kohlenbergwerke bei Wettin, und das jetzt Fürstenhaus ge-nannte Danckelmansche Palais in der Kurstrasse in Berlin gehörten,zu Gunsten des Staates conliscirt, und er in Spandau, später in Peitz,in strenger Haft gehalten. Erst im Jahre 1707 erhielt er auf Verwen-dung der Kronprinzessin die persönliche Freiheit wieder, durfte aberden ihn angewiesenen Aufenthaltsort Cottbus nicht verlassen. AlsFriedrich Wilhelm I. zur Regierung kam , war es eine seiner erstenHandlungen, den Oberpräsidenten v. D. ganz in Freiheit zu setzen,und ihm eine lebenslängliche Pension von 10,000 Thalern anzuweisen.Diese für die damaligen Zeiten ungeheure Summe beweist bei desKönigs grosser Sparsamkeit genugsam, welche Entschädigung er D.schuldig zu sein glaubte. Uebrigens hatte es aber dabei sein Bewen-den, und das grosse Vermögen des Oberpräsidenten ist weder ihm nochseiner Familie je zurückgegeben worden, was vielleicht mit dem Grundebeizumessen ist, dass die Letztere nie darauf Anspruch gemacht hat.Der Oberpräsident D. starb am dl. März 1722 im 80. Lebensjahre.Sein wechselvolles Schicksal liefert einen Beweis für die zahllosenRänke und Kabalen, welche an dem Hofe Friedrichs I. geschmiedetwurden. Von allen den vielfachen Beschuldigungen, welche gegen ihnerhoben wurden, war keine haltbar genug, um den seinen Gegnern sosehr erwünschten Prozess zu begründen, sie zeugen vielmehr alle l'iirdie geistige Suprematie, welche sich D. über alle seine Feinde zu er-werben gewusst hatte. In einem erst neuerdings erschienenen, aberaus jener Zeit herrührenden Werke: Mcmoircs du Comte Dohna, wirdals ein Beweis von Danckelmans Stolze die Münze genannt, welcheauf ihn und seine sechs Brüder geprägt wurde, sich in Giitthers Lebenund Thaten Friedrichs I. näher beschrieben iindet, und auf des Ober-präsidenten Veranlassung entstanden sein soll. Der Beschuldigung, durchdiese Münze, von der sich noch mehrere Exemplare in dem l'reiherr-lich v. Danckelmanschen Familien-Archive belinden, glänzen zu wollen,kann der einfache Umstand als genügende Widerlegung entgegen ge-stellt werden, dass auf derselben auch nicht die geringste Andeutungden Namen der Familie bezeichnet, sondern nur eine allegorische Ver-gleichung sieben erleuchteter Staatsdiener mit dem Siebengestirn daraufzu linden ist. Einen noch sprechenderen Beweis für die Unrichtigkeitder vorzugsweise gegen D. erhobenen Beschuldigung, dass er alle mög-lichen Ehrenstellen in seiner Person hätte vereinigen wollen, liefertder Umstand, dass er die ihm vom Kaiser Leopold 1. angebotene Reichs-grafenwiirde ablehnte, worauf wir weiter unten wieder zurückkommenwerden.
5) Daniel Ltulolph , geb. den 8. Octbr. 1648, starb den 14. Febr.1709 als königl. preuss. Staatsminister, General-Kriegscommissair, Chefdes Geistlichen Departements und Curator der Universität Halle.
6) Nikolaus Bartholomäus, geb. den 25. Mai 1650, war kurbran-denburgischer Gesandter in Wien, auf der römischen Königswahl zuAugsburg und bei dem Friedensschlüsse zu Ryswick, zuletzt Staatsmi-nister und Präsident der Magdeburgischen Kammer. Er starb am 27.Octbr. 17.19 auf dem von ihm erworbenen Stammgute Lodersleben inThüringen, und ist der Stammvater aller jetzt noch lebenden Gliederdes Danckelmanschen Geschlechtes; seine Brüder sind theils unver-mählt oder kinderlos gewesen, theils ist ihre Nachkommenschaft in derzweiten oder dritten Generation ausgestorben.