168
Balbi.
ihres Heimathslandes durch Jaques Baillods, den tapfern Führer von400 Neuenburger Freiwilligen bekannt geworden, mit denen er imWinter des Jahres 1555 eine Schlucht des Jura meisterhaft gegen 4000Feinde vertheidigte. Kr erkämpfte auch einen Sieg bei Gingin. Hiertodtete seine ihm ins Gefecht begleitende Frau, Viragot de Neufchatel,mit eigner Hand vier Feinde, seit der Zeit ist in der Gegend jenerStadt der Name Viragot gleich bedeutend mit der Bezeichnung einesheldenmiithigen Weibes. Ihr Gemahl hatte sich durch seine Thatenso furchtbar gemacht, dass man ungezogene Kinder mit dem Zuruf zuschrecken pflegte: Baillods wird kommen. M. s. fabrege de fhistoirede Neufchatel et Valengin. 8. 1787. p. 161.
Balbi, die Herren von.
Johann Friedrich von Balbi, starb zu Berlin am 19. Januar 1779,fast 80 Jahr alt; er stammte aus einem der vornehmsten Geschlechterzu Genua, aus dem ein um das Jahr 1730 regierender Doge hervor-gegangen ist, der ein Grossoheim von unserm Obersten war. Mit 10Jahren war dieser in preussische Kriegsdienste getreten, er befandsich bei den Belagerungen von Philippsburg und Kehl (1734), bei derfranzösischen Armee in den Niederlanden 1746—48, und 175! war ereiner der Begleiter König Friedrich II., als dieser unvergesslicheMonarch zu seiner Belehrung eine Reise im strengsten Incognito durchHolland machte. Im siebenjährigen Kriege leitete er die Belagerungenvon Breslau, Schweidnitz und Olmiitz, 1757 wurde er Oberst. Krhatte 9 Schlachten und 23 Belagerungen beigewohnt. Wenn manHerrn von Warnerig tränen darf (in, s. Campagnes de Frederic II.p. 267), sd*wurde seinen Maassregeln die Aufhebung der Belagerungvon Olmiitz zur Last gelegt, und er fiel von da an in die Un-gnade seines Monarchen. Darauf lässt sich entgegnen, dass Herr vonBalbi bis an seinen Tod (den 19. Januar 1779 in Berlin) einen ansehn-lichen Gnadengehalt genoss, und in den letzten Jahren sich wiederinsbesondere des Vertrauens seines grossen Königs erfreute. Kr würdeauch (so sagt Bernoulli in seinen Reisen durch Brandenburg. 2. Bd.S. 186) wieder nach Potsdam berufen worden sein, wenn es sein Ge-sundheitszustand zugelassen hätte. In seinem Nachlasse fand maneine von ihm niedergeschriebene Geschichte seines Lebens, und einigeseiner nächsten Umgebungen, «lie Gelegenheit hatten, von dieser Hand-schrift Kinsiclit zu nehmen, versichern, dass man nichts InteressanteresHätte lesen können. Die Hauptperson in derselben war Friedrich II.selbst. Dieser Monarch Hatte auch jene Memoiren durchgesehen undmit der Versicherung zurückgesendet, dass er nichts Anstössiges darinlinde; dass es ihm jedoch lieb sein würde, wenn man sich mit demDrucke derselben nicht übereilte. Herr von Balbi war übrigens ein sorechtschalfener, dabei auch sehr witziger und durch den vertrautenUmgang, dessen ihn Friedrich der Kinzige gewürdigt hatte, so merk-würdiger Mann, dass man es uns gewiss verzeihen wird, ihm diesenlängern Personalartikel gewidmet zu haben. Ein Nachkomme von ihmstand bis zum Jahre 1806 als Grenadier-Hauptmann in dem RegimentPrinz Heinrich von Preussen zu Soldin, trat im Jahre 1813 in denPensionsstand und lebt gegenwärtig in Berlin. Das Wappen dieserFamilie giebt Siebmacher im 4. Till. S. 96. Das goldene Schild zeigtdrei schwimmende Fische, auf der Krone steht ein doppelter ge-krönter Adler,