Einleitung. 3
(lern auch die Richter und die Oberhäupter, welche zur Aufrecht-haltung der Ruhe und Ordnung berufen waren. Man nanntesie die Aeltcsten, und aus ihnen gingen die Gaugrafen hervor.Waren sie bei ihrem Richteramte auch tüchtig als Führer imKampfe, so wurden sie an die Spitze des Heeres gestellt, undweil sie demselben voranzogen, erhielten sie die Würde vonIleerzogen oder Herzogen. Als die vornehmsten der Gaugrafenunter ihnen und zwischen ihnen und dem Volke standen dieEdcln oder Edellcutc, von den Herzögen und Landesfürsten mitLändereien, auf denen sie Burgen erbauten, und um welchenach und nach Ortschaften entstanden, belehnt. Je mehr sichdie Macht der Landesfürsten befestigte, vermehrten sich auchdie Erhebungen aus niedern Ständen in die höheren, und mitder schärferen oder näheren Bezeichnung der Unterschiede derStände beginnt die Geschichte des Adels. Die Entstehung derPatricier oder des Adels der Städte, die der Vasallen und derimmerwährende Kampf gegen die Gewalt der Fürsten, oder aufder andern Seite gegen die mehr oder minder sich ausbreitendenFreiheiten und Gewahrsame des Volkes, füllen alle Periodender mittlem deutschen Geschichte aus. Eine dieser Periodenbildet der Bauernkrieg, wo der Stand der Bauern vergeblichgegen die Macht des Adels ankämpfte, und sie, statt zu verrin-gern, befestigte. Eine andere Periode formt die darauf folgendeAusbildung des hohen und des niedern Adels. Zu dem ersterenzählte mau die regierenden Häuser und überhaupt den Fürsten-und Herrenstand, der ausserordentlich durch die zahlreichenErhebungen, welche die Kaiser vornahmen, indem sie viele Edel-lcutc in den Reichsgrafen - und Reichsfreiherrnstand erhoben,vermehrt wurde. Eine dritte Periode wird durch die Abson-derung des niedern Adels von dem höhern freien Bürgerstandebezeichnet, namentlich gehört hierher die obenerwähnte Bil-dung des Städte-Adels oder der Patricier. In verschiedenenLändern, namentlich in Italien, macht der Besitz eines mehroder minder bedeutenden Gruudeigenthums hin und wieder zumEdelmann, zum Conle oder Duca. In England nimmt nochheute Jeder den Titel Squire, welches so viel bedeutet, als einenzum Waffen tragen und zum Wappen führen berechtigten Mann.In Frankreich gab es vor der Revolution gegen 4000 Militair-und Civil-Acmtcr, mit denen die Inhaber zugleich zum Adel be-rechtigt wurden, der sich auch auf die Kinder übertrug. Biszur Mitte des 16. Jahrhunderts waren dem höhern Bürgerstande,und namentlich dem Stande der Gelehrten, vorzugsweise auchden Doctoren der Theologie, noch viele Rechte und Vorzügeeingeräumt, die er mit dem Stande des niedern Adels thcilte;allein um die angegebene Zeit gelang es diesem, sich ausschliess-lich der Stellen in den Domkapiteln zu versichern. Im 17.
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