Druckschrift 
2 (1874) Vom Jahre 1400 - 1865 : mit Ill., 8 Beil. u. Reg.
Entstehung
Seite
512
Einzelbild herunterladen
 

512

Der Kronprinz Friedrich Wilhelm.

Noch am 24. Jxxni forderte die königliche Regierungdie Landräthe des Regierungsbezirks und den Oberbürger-meister von Achen auf, zehntausend sechshundert vier Schef-fel ostseeischen Roggens, die in Köln angekommen waren,abholen zu lassen. Leider scheinen die menschenfreund-lichen Absichten des Königs nicht seinen Wünschen ge-mäss ausgeführt worden zu sein.

In einer Kabinetsordre vom 17. Juni erklärte FriedrichWilhelm III., er könne die Verspätung der Zufuhren nurin dem Falle als gerechtfertigt annehmen, wenn die Ele-mente sie früher unmöglich gemacht hätten und die Hinder-nisse durch menschliche Kraft nicht hätten Uberstiegenwerden können; Nachlässigkeit oder gar Gewinnsuchtwerde er zu ahnden wissen. Schliesslich befiehlt der Königeine strenge Untersuchung. Unter dem 20. August zeigtdie königliche Regierung zu Achen an, dass das Gerücht,die Sendungen seien zu Privatzwecken benutzt worden,sich als unbegründet darstelle, fordert aber Jedermann zurAngabe von Thatsachen und Beweisen auf.

Die Freude über die reichliche Ernte scheint die ver-driessliche Angelegenheit in Vergessenheit gebracht zuhaben. Das Verbot des Branntweinbrennens aus Kartoffelnvom 2. Oktober 1816 hob die Regierung am 30. September1817 wieder auf, da die Kartoffeln vorzüglich gerathenseien.

Die hiesige reformirte Gemeinde beging am 20. Juli1817 die fünfzigjährige Jubelfeier ihres Predigers Vetter,welche der hiesige lutherische Prediger Grünewald ein-leitete. Der Regierungs- und Consistorialrath PredigerBesserer hielt die Festrede. J. E. A. Stiegler aus Burtscheidhatte eine Cantate zu dem Feste gedichtet.

Nachdem am 3. August Achen in nun herkömmlicherWeise das Geburtsfest seines Königs gefeiert, hatte es am12. August die Freude, den Thronerben Friedrich Wilhelmzu empfangen. Derselbe kam von Jülich und stieg indein Offermannschen Hause auf dem Kapuzinergraben ab.Den folgenden Tag wohnte er, offenbar in der Absicht,das rheinische öffentliche und mündliche Verfahren in seinerPraxis zu beobachten, während drei Stunden den Assisen-