470 Die Conscription. Der Grundstein zu einem neuen Präfekturgebäude.
Die seit dem Jahre 1799 eingeführte Conscriptions-gesetzgebung (oben S. 436) lastete ganz besonders in diesenJahren schwer auf den Bewohnern des Roerdepartements,aus welchem viele ausgehobene junge Leute nach Spaniengeführt wurden, andere im Jahre 1812 mit der grossenArmee nach Russland zogen, um nie wieder zu den Ihrigenzurückzukehren. Familien, deren Mittel dies erlaubten,erkauften für hohe Summen Stellvertreter für ihre Ange-hörigen. Manche junge Leute entzogen sich unter grossenGefahren für sich und die Ihrigen dein Kriegsdienste, jaes kam vor, dass zu diesem Zwecke wohlhabende Biirger-söhne eine Civilehe mit Personen, die unter ihrem Standewaren, eingingen, und die sie nach dem Trauungsacte niewieder sahen.
Die beispiellose Katastrophe des grossen Napoleoni-schen Heeres in Russland vom Jahre 1812 leitete den Sturzdes Gewaltigen ein, den die glorreichen Kämpfe der gegenihn verbündeten Mächte im Jahre 1813 zur Gewissheitmachten. Dass die französischen Behörden in Aclien eineWendung der Dinge nicht ahnten, welche die alte Krö-nungsstadt ihrem Mutterlande wieder zurück gab, beweistein Act, welcher hier vor sich ging, während im Ostenunseres Vaterlandes die entscheidenden Schläge gegenEuropa's Dränger sich vorbereiteten. Am 15. August näm-lich, dem Napoleonstage, der für das ganze französischeKaiserreich ein hoher Festtag war, wurde unter grossenFeierlichkeiten der Grundstein zu einem neuen Präfektur-gebäude gelegt. Man hatte zu demselben das Eigenthunider ehemaligen Regulierherren - Kanonie gegenüber demGasthofe zur kaiserlichen Krone auf der Kölnstrasse ge-wählt. Während der Eingang zu der von den Franzosenabgetragenen Kirche auf der Sandkauistrasse war, lag dasKloster mit seinen bis zum Stadtwalle sich erstreckendenGründen, Garten und Wiese, auf der Kölnstrasse. Hiersollte also das künftige Regierungsgebäude sich erheben.Aber die Vorsehung hatte anders beschlossen. Nicht fünfMonate vergingen und .die französische Herrschaft sammtihren Plänen war hoffentlich für ewige Zeiten von Deutsch-lands Boden weggefegt!