398 Vernrittelungs-Versuch des Dechanten Cardoll u. A.
In dieser Zeit unversöhnlicher politischer Zwietrachterfüllt mit wahrhafter Befriedigung der Schritt, den derAltbürgermeister Strauch, der Dechant der Stiftskirche undProbst von Kütten, Cardoll, der Erzpriester Mylius undandere würdige Männer am 3. Juli 1788 tliuii. Sie wen-den sich nämlich an die Kreisdirectorial-Gesandtschaft undkaiserliche Commission mit der Bitte, zwischen den strei-tenden Parteien einen Vergleich zu Stande zu bringen. Sieweisen auf den jammervollen Zustand der Entzweiung derBürger unter sich und auf den daraus nothwendig erfolgen-den Ruin der Stadt hin. Die Petenten halten den Zeit-moment für geeignet, nur müsse dafür gesorgt werden,dass Fehler und „Gebresten" in der Constitution abgeschafftund für die Zukunft vermieden würden. (Mscr.)
Die Unordnungen hörten nicht auf. Am 12. August1788 klagte die kaiserliche Commission über Ruhestörun-gen und Wahlumtriebe. Sie~citTrf"unter demselben Datumsieben und dreissig Bürger, welche der Theilnahme an denUnruhen des Jahres 1786 verdächtig, in einer Frist vonsechs Wochen auf dem Rathhause zur Verantwortung zuerscheinen haben. Dieselbe fordert am 1C L Ok tober 1788zu Verbesserungsvorschlägen in Betreff der anerkannt fehler-haftm Acliener Constitution auf. Keinem in angemessenernicht verletzender Form gemachten Vorschlag wird sie dieDruckerlaubniss versagen.
Der faktische Rath setzte die freundschaftlichen Be-ziehungen mit Preussen fort und befahl nach einem Erlassvom 3. Oktober 1788 die'Auslieferung preussischer Deser-teurs. Achen, welches als Reichsstand das Recht hatte,militärische Werbungen in seinem Gebiete zu gestattenoder zu verweigern, hatte durch obrigkeitlichen Erlassvom 30. Juli 1773 sie gestattet.
Die vielen geschriebenen und gedruckten Kundgebun-gen, welche auf die Aufforderung vom 10. Oktober erfolg-ten, beweisen die gro^S£-TJiei-hiakme x für eine Verbesserungder politischen und socialen Zuständiger unglücklichenStadt').
') Nachdem sclion im Jahre 1786 ein »Unvorgreiflicher Entwurf