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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
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Literaturgeschichte, wie sie Scherer theoretisch gefordert hat, über-haupt möglich sei, will ich am Schluß dieses Aufsatzes reden.

Während ich diese Zeilen niederschreibe, geht mir eine verdienst-liche Monographie zu über die deutsche Prosa im sechzehntenJahrhundert von Hermann Gumbel (Frankfurt a. M., Diester-weg 1930). Dieser sympathische Versuch folgt der von mir ohneNamennennung gerühmten neuen sprachgeschichtlichen Forschungin den Schriften von Paul Hankamer (Die Sprache, ihr Begriffund ihre Deutung im 16. und 17. Jahrhundert. Ein Beitrag zurliterarhistorischen Gliederung des Zeitraums. Bonn 1927) undHermann Pongs (Das Bild in der Dichtung. I. Versuch einerMorphologie der metaphorischen Formen. Marburg 1927): s. meineEinleitung zum Briefwechsel Grimm-Lachmann S. XCI, Zeile 9 ff.Er stammt aus der Schule des geistvollen, von Geschmäckler-mode unabhängigen Franz Schultz. Die dem Buch voraus-geschickte weitgreifende methodologische Einleitung bezeichnet ineiner etwas schwerflüssigen und nicht immer ganz deutlichen, aberenergisch vordringenden Erörterung (S. 10) es fürdie neue Stil-forschung" alsPflicht zu einer höheren umfassenderen und gül-tigeren Erkenntnis offenbarer Zusammenhänge von Sprache undKultur zu gelangen". Dann heißt es weiter:Das hat aber eineEinstellung zur Voraussetzung, der jeder literarische Ausdruckwert ist als Ausfluß einer Grundlage, Anlage, Beschaffenheit einesSeins und einer Welthaltung, die ihre Gültigkeit und ihre Normallein in sich tragen und nicht gemessen und beurteilt, sondernverstanden und erkannt sein will als sinnvoll-gesetzlicher Zu-sammenhang."

Zieht man diesen Sätzen die zeitgemäße metaphysische Allonge-perücke ab, so besagen sie nichts anderes als was allen wahrenPhilologen geläufig ist. Allen wahren Philologen: das heißtnach meiner seit Jahren versuchten, aber von dem Heer der metho-dologischen Literaturwissenschaftspriester nicht beachteten Um-schreibung des verketzerten Worts den berufenen Freunden undDeutern des sinnvollen Worts. Was Gumbel hier verlangt, istwirklich kaum mehr als was Scherer und jeder, der seines Geistes

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