Druckschrift 
Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

der Wissenschaften 1916) ohne die volle Resonanz verdientenDankes geblieben. Seine im Auftrage und mit Unterstützung derPreußischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte, wieder-um von umsichtigen gelehrten Erläuterungen begleitete Editiondes 'Briefwechsels der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mitLachmann' (Jena, Frommannsche Buchhandlung, 1927) ist, obwohlleider durch den kurzsichtigen Eigensinn der über den Grimm-nachlaß Verfügenden um zwei Menschenalter verspätet, auch fürdie wissenschaftliche Welt von heute noch ein Ereignis vonhöchster Wichtigkeit. Trotzdem vermochte auch meine ausführ-liche Einleitung, die den Freundschaftsbund, die Arbeitsgemein-schaft der drei Begründer der Wissenschaft von deutschem Wesen,deutscher Sprache und deutschem Leben und das Fortwirkendieser drei großen Wegweiser bis auf unsere Tage zu vergegen-wärtigen sucht, Leitzmanns monumentalem Werke innerhalb derwissenschaftlichen Fachkritik eine wärmere Teilnahme oder auchnur nachdrückliche Hervorhebung nicht zu erringen. Die germa-nistischen, neuphilologischen, historischen Zeitschriften, die uni-verselle Rezensieranstalt der Deutschen Literaturzeitung, Organealso, die für manche ephemere Bücher viel Raum aufwenden,hatten gegenüber diesem Denkmal des Heldentums und des Edel-muts der Entdecker und Bahnbrecher unserer nationalen Alter-tumsforschung bloß kahle Notizen zur Verfügung oder ver-legenes Schweigen.

Gleichviel, der festliche Anlaß, dem diese Blätter gelten, be-rechtigt und ermutigt mich, der Überzeugung Ausdruck zu geben,daß in der Wissenschaftsgeschichte sich Kräfte und Tendenzender geistigen Bewegung spiegeln, die sonst sich verbergen. MitRecht hat einst der junge Scherer in seiner Anzeige von HettnersLiteraturgeschichte des 18. Jahrhunderts (Kleine Schriften II 70)verlangt, daß 'die Geschichte der Wissenschaften in die Literatur-geschichte hereinbezogen' werde. Zur Wissenschaftsgeschichtegehört indessen nicht allein die Masse der positiven Leistungen,der Werke gelehrten Schaffens, sondern auch deren Aufnahme inder gelehrten Kritik.