Druckschrift 
Jaspar von Gennep und die Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache in Köln
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

S9SHF ! ■"":

II H

ml«

in

■

H I

wm- 1

P • ^ =

I

mmm

mm

Hb

18

1874) als Typus IV bezeichnet wird. Jedoch beginnt um die Wendedes Jahrhunderts das dialektische Gepräge der Konsonanten einer mehrhochdeutschen Form Platz zu machen. So zeigt die kurköln. Urk. Nr.2675 des Staatsarch. in Düsseldorf 1509 ,Erzbischof Philipp an dieStadt Rheinberg' neben hauen, Heuen auch haben, gegeben,- neben doin,dusent, friedagh, sondagh gelegentlich andersteils; auffällig ist hier dieForm glicht ,officium'. Der Vokalismus zeigt das gewöhnliche kölnischeGepräge. Mittelhochdeutsches (mhd.) i — i(y) ie in desgliechen, friedagh,zyt, frylieit; mhd. tu == u in getriwen; mhd. ü = u: gebrach, dusent;mhd. üe = oe: demoedige; mhd. uo = oi u: doin, genugsam. Die langenVokale mhd. ä ö erhalten meist das sogen, nachschlagende i (e) • hau,rait, stau; aldae, jaeren; doin, dhoem; jedoch auch gnaden; dhom. mhd.o ist noch a in sali. Das im Mittelfränkischen (mfr.) aus -ehe- contrahiertee ist ie in geschien. Wir brauchen den streng mfr. Vokalismus nichtgenauer zu beschreiben, da er von Heinzel ausführlich dargestellt ist 1 ).Es ist also von vornherein ein Mischtypus mit deutlich sichtbarem Strebennach einer Vermittlung zwischen dem eigenen und dem oberländischenDialekt. Die einzelnen Versuche sind daher in keinem Falle einemSchreiber zur Last zu legen, sondern es ist ein fester Prozentsatz vor-handen, der auf einen Schreibgebrauch, nicht eine Schreibwillkürlichkeit

schliessen lässt.

Betrachten wir nun die Urkunden, die uns vorlagen, in Bezug auf

ihre Sprache.

Das Jahr 1512, welches mit zwei Urkunden des Erzbischofs ver-treten ist, zeigt keine Änderung auf dem Gebiete des Vokalismus. Diekurköln. Urk. Nr. 2716 Düsseid. Arch. (,Erzbischof Philipps Vereinmit Jülich und Kleve') zeigt folgenden Sprachstand:

1. Die nachschlagenden Vokale werden geschrieben: vndersaissen ;zulaissen; zu melier maelen; noit, auch moitwilligen, ersuechen nebenclockenschlagli, offenbar, notticrß.

2. Die Diphthonge sind noch nicht voi - handen; mhd. i = ie i:rkchs, bye einander, syne, byestandt, frietag;

mhd. iu = u: frimtlichen, getruwelich; ü ist nicht belegt.Der Konsonantismus zeigt den Mischtypus, über den oben ge-handelt ist:

1. Inlautendes b erscheint als -u- und -b-: obgeschricuen, ouerfall;

derhaluen, haluer, doch geben, derselb, zuhaben.

•) Heinzel a. a. 0. S. 270-302.