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Jaspar von Gennep und die Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache in Köln
Entstehung
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der kaiserlichen Kanzleisprache aufnahm: so ist unter dem Einfluss derörtlichen Kanzleisprache in' Augsburg 1 ), Nürnberg, Strassburg, Mainzund Leipzig die Druckersprache geregelt worden. Zürich 2 ), Bern undselbst Basel hatten dagegen keine so grosse auswärtige Correspondenz,dass es nötig gewesen wäre, die Sprache der Briefe und Urkunden derVerkehrssprache draussen im Reiche anzunähern. Hier ging die Drucker-sprache voran.

Es ist selbstverständlich, dass sich das Bild des Annäherungs-und Ausgleichungsprozesses je nach den verschiedenen politischen undsocialen Verhältnissen sehr verschiedenartig gestaltete. Hatte einmalentweder Kanzlei oder Buchdruck den Anstoss gegeben, so wirkten beidezusammen an dem Ausbau der Schriftsprache. Dabei fällt der Kanzleider gleiche, zuweilen ein grösserer Anteil als dem Buchdruck zu 3 ),und zwar aus folgenden Gründen: Zunächst hat der Druck deutscherBücher im Vergleich zu den lateinischen keineswegs überall jenen Umfangerreicht wie etwa in der schwäbischen Metropole Augsburg; das litte-rarische Leben wird in Köln z. B. in erster Linie von dem geistlichenund gelehrten Element, von Kirche und Universität repräsentiert undgetragen 4 ); dann aber wenden sich auch noch viele der in der Volks-sprache gedruckten Bücher an ein verhältnismässig beschränktes Pub-likum, einige sogar geradezu an auswärtige Leser. Hier hat die Kanzleiund zwar die Stadtkanzlei den allergrössten Einfluss gehabt. Ihre Akten-massen, die die vielfachen engen Beziehungen zwischen Rat und Bürgernrepräsentieren, bilden ein gewaltiges Material, das den Bürgern insprachlicher Hinsicht ein besseres und nachdrücklicheres Vorbild seinkonnte als die Drucke. Wir wollen zwar keineswegs den Wert unter-schätzen, den der Buchdruck für die Ausbildung unserer Schriftsprachegehabt hat, doch die Grundlage bildet die Kanzlei, und zwar hat, wiegesagt, die kaiserliche Kanzlei eine erste Einigung unter den fürstlichenhervorgebracht; diese haben wieder die städtischen beeinflusst, die ihrer-seits in der Stille, fast unmerkbar, durch den ununterbrochenen Verkehrmit den Bürgern diesen die Formen des Gemeindeutschen vertraut gemacht

') Vgl. von Bahder S. 17—45.

2 ) In Basel wird die Drucksprache um 1520, in Zürich und Bern um1560 gemeindeutsch, während sich die Kanzlei noch bis um 1580 in Baselund in Bern sogar bis 1675 des Dialektes bedient.

3 ) Anders urteilt für Oberdeutschland, speciell Augsburg, F. Kauftmann,Geschichte der schwäbischen Mundart, Strassburg 1890, S. 289.

4 ) Ennen, Geschichte der Stadt Köln IV.