540
Wiederherstellung der Hierarchie in Preussen.
1900 Jahre früher die Nuinidier Hannibals, und dass dieKämpfe um Belgrad noch immer die Liehlingserinnerungendes rheinischen Volkes waren.
Die Söhne der rheinischen Franken, deren Vorfahrennach dem Ausdruck Gregor's von Tours die gesta deiper Francos mit vollführt, die Nachkommen der Sachsen,die unter den grossen Kaisern ihres Stammes den sla-vischen Osten bereits mit ihren Siegesschritten durch-messen und im Westen Paris mit belagert hatten, habenim Laufe ihrer tausendjährigen Geschichte niemals eineso unwürdige Stellung eingenommen als unter FriedrichWilhelm III. — sie wurden höchstens für fähig gehalten,den Platz eines Subalternbeamten oder Flurhüters aus-zufüllen.
Wir wollen diese traurige Zeit nicht weiter verfolgen,es mag genügen, auf die zahlreichen Missgriffe hinzudeuten,welche dazu beitrugen, dem Herrscher die Herzen seinerUnterthanen immer mehr zu entfremden.
Die Erkenntniss des Bestehens tiefer und unverein-barer Gegensätze konnte dem Monarchen auf die Dauernicht verborgen bleiben. Man begreift, dass diese That-sache auf dem Hintergrund einer sich durch mehr als dieHälfte Europa's kundgebenden Unzufriedenheit für dieRegierungen eine dringende Aufforderung wurde, nachMitteln zu suchen, die geeignet waren, die unruhigwerdenden Geister zu bändigen. Nichts konnte diesenZielen hinsichtlich des katholischen Theiles der Bevölkerungbesser dienen als eine Verständigung mit dem römischenStuhle, um durch Neuordnung der kirchlichen Verhältnissein autoritativer Weise auf die religiösen Ueberzeugungender Massen einzuwirken.
Benutzte der König die ethischen Factoren, die dazuangethan sind, dem Staatswesen eine grössere Festigkeitzu verleihen, so handelte er eben als ein kluger Staats-mann und Niemand bat das Recht, desshalb den Werthseiner Handlungen herabzusetzen. Im Gegentheil, dieHandlungsweise Friedrich Wilhelm's HL, der in Vorur-theilen gegen den Katholicismus befangen war, erscheintneben der Politik seiner gekrönten Zeitgenossen der spa-nischen, französischen und italienischen Bourbons sowieder verschiedenen Linien des Hauses Lothringen in Italienund Deutschland unbedingt als die edlere, denn keinerdieser katholischen Fürsten hat in dem Einnuss der Kirche
iHK»