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2 (1893) Die Erzdiöcese Köln nach der Kirchentrennung
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Charactereigenschaften Friedrich Wilhelms III.

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Empfinden des Königs in den religiösen Fragen hervortrat,so konnte er sich doch auch mit dem Dogmenglauben ab-finden, wenn er nur voraussetzen durfte, dass darin keineBeeinträchtigung seines politischen Wollens liegen könne.Man muss diese Deutung annehmen, wenn man von derGeschichte des Uebertritts seiner ältesten Tochter Charlottebei Gelegenheit der Verlobung mit dem russischen Thron-folger Nicolaus unterrichtet ist. Niemand Hess es sichmehr angelegen sein der protestantisch überzeugungstreuenTochter den Wechsel des Bekenntnisses anzuempfehlenund durch Vertraute nach dieser Richtung hin auf sieeinwirken zu lassen, als eben der König selbst. Für den,der als Christ glauben kann, dass Christus der mensch-gewordene Sohn der Jungfrau ist, so mag der strenggläubige König argumentirt haben, hat die Annahme derTranssubstantiation nicht mehr Schwierigkeit als dieFolgerung einer logischen Consequenz aus einer einmalals richtig und glaubwürdig adoptirten Prämisse.

Trotz dem freien Standpunkte des Königs in der An-nahme von Dogmen, die dem griechischen und lateinischenBekenntniss gemeinsam sind, war er von Widerwillen gegenAlles, was katholisch hiess, erfüllt. Die ihm aufgedrungenenWestprovinzen mit ihrer zahlreichen katholischen Bevöl-kerung mögen nicht wenig dazu beigetragen haben, dieseAntipathie zu steigern. In dieser Hinsicht hatte derHerrscher einen verwandten Zug mit Philipp II. vonSpanien. Wie dieser nicht über Protestanten herrschenmochte, so er nicht über Katholiken. Für den Historikerund Psychologen ist es gleich interessant, nach den Ur-sachen dieses königlichen Widerwillens zu forschen.

Der innere Zustand des Katholicismus in der damaligenZeit konnte schwerlich den Grund abgegeben haben, dennals Friedrich Wilhelm zur Regierung gelangte, hatte diefranzösische Staatsumwälzung den Bestand der katholischenKirche bis in ihre tiefsten Grundlagen hinein erschüttert.Die meisten Bisthümer in Deutschland waren untergegangen,die Universitäten und Seminarien vernichtet, die Biblio-theken geplündert, die Archive zerstreut. Damit fehltenalle Bedingungen, ein junges Geschlecht von Gelehrtenheranziehen zu können, das eine ihm entgegenstehendeWeltanschauung zu bekämpfen fähig gewesen wäre. An-statt Furcht zu erwecken, hätte die katholische Kirche,die innerhalb weniger Jahre von ihrer dominirenden

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