536 Zutheihwg Westphalens und der Rheinlande an Proussen.
Namur, Luxemburg und Limburg sammt dem Breisgau undVorder-Oesterreich weggeworfen hatte, um sein Reich nachItalien hin abzurunden. Warum also ihm versagen, wasdem andern recht und billig geschienen hatte? Der Königmusste sogar die Kränkung erleben, dass Oesterreich seinfortgesetztes Bemühen um den Erwerb Sachsens zu einemcasus belli zu machen drohte. So musste denn Preussendie Bestimmung des Wiener Congresses, wonach West-phalen und die Rheinlande ihm als Entschädigungsobjectezugewiesen wurden, schliesslich annehmen. Die Monarchiewar in zwei Theile zerrissen mit der denkbar ungünstigstenGrenze für einen Kriegsfall, nicht einmal der frühere Besitzdes Maasufers sollte ihr erhalten bleiben. Die beiden Hälftendes Landes waren zwei unermesslichen Brückenköpfenvergleichbar, deren gegenseitige Verbindung schon untergewöhnlichen Verhältnissen durch die Breite des dazwischenmessenden Stromes ausserordentlich schwierig war und fastzu einer Unmöglichkeit bei dem Eintritt stürmischer Zeitenwurde. Was in den Augen Friedrich Wilhelms das grössteUnglück für sein Haus und sein Land schien, das wurdedurch die Ereignisse von 1866 die Quelle des glänzendstenErfolges. Man muss sich aber in die Lage des Herrschersversetzen, um zu begreifen, mit welchem tiefen Unmuth erdiese Bestimmungen des Wiener Congresses aufnahm. Esliegt in der Natur der Dinge, dass ein aufgezwungenesGut, so werthvoll es auch seinem innersten Wesen nachsein mag, in den Augen seines unfreiwilligen Besitzers nurselten zu irgend einer Geltung kommen kann. So erginges dem König in Bezug auf die Beurtheilung seiner west-lichen Provinzen. Niemals hat er sie seit seiner Rückkehrvom Congress zu Aachen wieder gesehen. Das Gefühleines an ihm begangenen Unrechts konnte er niemals über-winden, aber er beging dabei den grossen politischenFehler, seine Antipathie gegen den ihm zugetheilten Besitzauf die Bewohner der neuen Erwerbungen mit zu über-tragen. Nach dieser Richtung hin hätte er sich um somehr weise Zurückhaltung auferlegen sollen, als in West-Deutschland in Erinnerung an das grausame branden-burgische Werbesystem die Herzen beim Gedanken aneine preussische Herrschaft geradezu mit Grauen und mitSchrecken erfüllt wurden. Schon die Namensbezeichnungder neuen Provinz am Rhein verrieth nicht das geringsteVerständniss für die welthistorische Bedeutung des fran-