Druckschrift 
Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
Entstehung
Seite
269
Einzelbild herunterladen
 

269

sind den nach bereits berechneten Abständen „verfallenden"naturwissenschaftlichen Zeitschriftenaufsätzen nicht unähnlich,enthalten aber, im Gegensatz zu diesen, keine eigentlichen For-schungsergebnisse. Sie stellen vielmehr in verschiedener Form undfür unterschiedliche Zwecke berechnete ,forschungsbegleitendeLiteratur' dar.

Der Prozeßcharakter der modernen Forschung bringt es mit sich,daß in fast in allen Wissenschaftsbereichen mit vorläufigen Er-kenntnissen gearbeitet werden muß. Unter diesen Umständen gibtes unvermeidlich ein gewisses Maß an Informations-Literatur,deren einziger Zweck es ist, Zwischenstadien zu fixieren. Ob es fürdiese Art Literatur ein Normalmaß geben kann, muß bezweifeltwerden, aber in einem gesunden Wissenschaftsbetrieb scheint siesich in engen Grenzen zu halten.

National und international hat sich die Sphäre des ,Vorläufigen' inden letzten Jahrzehnten stark ausgeweitet. Die Begleitliteratur derForschung ist zu einem eigenen Subsystem der wissenschaftlichenKommunikation geworden. Tagungsprotokolle, Kongreßakten,„Materialien", preprints u.a.m. sind neue oder neu stilisierteKleinformen des wissenschaftlichen Schrifttums, denen eine spe-zifische wissenschaftliche Mentalität entspricht.

Im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich bestehen vieleBeiträge zu dieser Literatur aus "statements", „Problemaufrissen",„Thesenpapieren" und ähnlichen Präliminarien. Ihr Hauptzweckbesteht darin, „eine Auffassung zu äußern" oder „etwas zurDiskussion zu stellen". Die Vorläufigkeit der wissenschaftlichenMitteilung reduziert sich damit zur Unverbindlichkeit des aka-demischen Gesprächs, so daß der potentielle Nutzen dieser Li-teratur eng begrenzt ist.

Moderne Vervielfältigungsmethoden begünstigen die Schnellpu-blikation dieser Literatur. Für ihre Offset-Faksimilierung ist nur einreproduktionsfähiges Schreibmaschinenmanuskript erforderlich. InAnpassung an den Charakter einer solchen Veröffentlichung lassenes viele Autoren an stilistischer und formaler Sorgfalt fehlen -offenbar in der Meinung, daß es sich mehr um ein Tagungs-

I

1

1