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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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stische Bibliotheksplan '73, von der Deutschen Bibliothekskon-ferenz getragen, weiß über historische Bestände wenig mehr zusagen, als daß es sie an einigen Bibliotheken gibt.

Das heißt nicht, daß seit Bestehen der Bundesrepublik in keinerBibliothek retrospektiv deutsche Literatur von nationaler Bedeu-tung gesammelt worden wäre. Doch wo dies geschehen ist, geschahes in der Eigenverantwortung der Bibliotheken und nicht selten inder Befürchtung, mit dem Ausbau historischer Bestände den»eigentlichen' staatlichen und gesellschaftlichen Auftrag zur Be-schaffung moderner Gebrauchsliteratur nicht in dem erwartetenUmfang zu erfüllen. 21 Wo es eine positive Bilanz gibt, ergibt sie sichnicht daraus, daß den entsprechenden Bibliotheken von staatlicherSeite eine Verpflichtung zur Sammlung des nationalen Schrifttumsauferlegt worden wäre.

Die Gleichgültigkeit gegenüber der historischen Literatur ist umsobefremdlicher, als die Bedeutung eines Nationalarchivs weit überdie eines Literaturreservoirs zur Versorgung der geisteswissenschaft-lichen Forschung hinausreicht. Die physische Präsenz eines ge-ordneten Bestandes an nationalem Schrifttum ist eine der kul-turellen Existenzvoraussetzungen der Nation. Sie bildet in demgesamten durch das Wort geprägten Bereich den materiellenRückhalt für die Weitergabe dessen, was den geistigen Besitz einerNation ausmacht. Das Nationalarchiv ist ein entscheidender Faktorin der Sicherung der geistigen Kontinuität. Es erleichtert dieVermittlung kultureller Tradition auf allen Ebenen einer Gesell-schaft. Auch wenn es selbst nicht den verbindlichen Kanon derNationalliteratur schafft, so wirkt es doch, wie sich an zahlreichenneueren Beispielen zeigt, dem Verlust eines solchen Kanonsentgegen.

Die Beziehungen zwischen dem Nationalarchiv als Sammlung undder Nationalliteratur als geistiger Kraft sind indirekt, aber nichts-destoweniger real. Die Rolle, die die Nationalliteratur im Er-ziehungswesen jener Länder spielt, die ihr Schrifttum sorgfältiggesammelt haben und seine nationale Präsenz auch sichern, ist nichtzu übersehen. Am Beispiel Englands zeigt sich, in welchem Maßedie Weltgeltung einer Nationalliteratur dadurch mitbestimmt wird,

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