■:•;:::;::■:*::;::!;;:;:■
106
ben muß. Das bedeutet nicht, daß die bisherige Form der De-zentralisierung weitergeführt werden sollte. Sie kann nicht wei-tergeführt werden, wenn Forschung und Bibliothekswesen nichtirreparable Schäden erleiden sollen. Das System ist insofern re-formierbar, als sich innerhalb des Rahmens, der durch das de-zentrale Modell abgesteckt ist, ein breites Spektrum von Ver-sorgungsmöglichkeiten denken läßt, die sämtlich als nicht-zen-tralistisch anzusehen sind, ohne daß sie in dem heute geläufigenSinne als dezentral gelten müßten.
1
Die generelle Richtung der Reform ergibt sich aus drei Kom-ponenten. Sie sind verschiedener Art, verstärken sich aber in ihrerWirkung, so daß die Zahl möglicher Alternativen dadurch nichtgrößer, sondern geringer wird. Erstens müssen die Arbeitsvor-aussetzungen für die geisteswissenschaftliche Forschung in derBundesrepublik so verändert werden, daß sie denen des Auslandswenigstens annäherungsweise entsprechen. Eine Gleichartigkeit derVoraussetzungen wird sich nicht erzielen lassen. In Ost und Westexistieren als Arbeitsstätten für die Forschung hochentwickelteZentralbibliotheken, die teils als Nationalbibliotheken, teils alsspezielle geisteswissenschaftliche Forschungsbibliotheken angelegtsind. Durch diesen Bibliothekstyp wird heute und in Zukunft vonder institutionellen Seite her der Radius, das Tempo und dieQualität der geisteswissenschaftlichen Forschung bestimmt. Soausgezeichnet die Bestände einzelner Bibliotheken der Bundes-republik auch sind, in der Systematik des Bestandsaufbaus und inder Breite und Tiefe der Bestandserschließung sind diese aus-ländischen Bibliotheken denen der Bundesrepublik überlegen.
Die in jüngster Zeit an verschiedenen Stellen in Westeuropa zubeobachtenden Dezentralisierungsbestrebungen, die sich auch aufdie Institutionen des kulturellen und wissenschaftlichen Lebenserstrecken, können leicht zu der Täuschung Anlaß geben, daß diegenerelle Entwicklung auf einen Zustand der Dezentralisationhinauslaufe, wie er in der Bundesrepublik mit ihrer stark dif-ferenzierten Regionalkultur bereits gegeben ist. Diese Tendenzenstellen in den entsprechenden Ländern eine nach-zentralistischePhase dar, in der sich der Abstand zwischen Metropole und Regionverringern soll. Die bereits existierenden zentralen Einrichtungen
.-,._,.,. r ,,,.,.,. ( . f . | . I j rr .,, ( , f , 1