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schungsbibliotheken der westlichen Länder vor Augen hat, ist dieideale Norm der geisteswissenschaftlichen Forschungsbibliothek.Wegen der Unmittelbarkeit, mit der hier ein großes Literatur-reservoir verfügbar ist, nimmt sie in der Hierarchie möglicherLiteraturversorgungsformen den obersten Rang ein. Als Orien-tierungsmodell ist sie auch dann unabdingbar, wenn künftigeEntwicklungen über sie hinausführen sollten.
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Gleichwohl ist mit Sicherheit vorauszusagen, daß es in der Bun-desrepublik eine solche Bibliothek nicht geben wird. Die imVerlaufe eines Jahrhunderts im deutschen wissenschaftlichen Bi-bliothekswesen ausgebildeten dezentralen Strukturen sind zwarnicht prinzipiell unveränderbar. Sie lassen sich jedoch nicht in derForm rückgängig machen, daß die dezentralen Ressourcen in einerneuen, den ausländischen Nationalbibliotheken kommensurablenZentralbibliothek zusammengefaßt werden könnten. Eine solcheGründung wäre historisch zu verspätet, als daß sie Erfolg habenkönnte. Als Nationalbibliothek ist die Zentralbibliothek politischund bibliothekarisch ein Konzept des nationalstaatlich orientiertenneunzehnten Jahrhunderts. Überdies würden die politischen Struk-turen in der Bundesrepublik einem solchen Vorhaben entgegen-stehen. Unter den föderalistischen Bedingungen könnte eine auchdie historische Komponente einschließende Nationalbibliothekkaum besser gedeihen, als eine Nationalgalerie oder eine Na-tionalstiftung bisher gediehen sind. Schließlich wäre eine nationaleZentralbibliothek aus immanenten Gründen nicht zu realisieren.Die vollgültige geisteswissenschaftliche Forschungsbibliothek stellteine komplexe Verbindung von Tradition und Gegenwart dar. AlsArbeitsinstrument ist sie zwar ein moderner wissenschaftlicherApparat, aber als das die kulturelle Tradition umfassende Quel-lenreservoir ist sie ein Produkt historischer Prozesse, die nichtbeliebig wiederholbar sind.
Es scheint auch unmöglich, eine der bestehenden Universalbi-bliotheken in eine nationale Zentralbibliothek zu verwandeln. DerVersuch, der ehemaligen Westdeutschen Bibliothek in den erstenNachkriegsjahren wieder eine solche Funktion zu übertragen, istgescheitert. Die Absicht, die Bayerische Staatsbibliothek zu derzentralen geisteswissenschaftlichen Bibliothek auszubauen, ist trotz
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