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einfach zu beurteilen. Generell dürfte jedoch zutreffen, daß Vor-haben, die innerhalb konventioneller Fachgrenzen liegen, einebessere institutionelle Unterstützung erfahren als grenzüberschrei-tende. Die fachliche Aufteilung bringt zwangsläufig einen Be-standsaufbau mit sich, der von einem ,Zentrum' her erfolgt, und jenäher ein Vorhaben dem ,Kernbereich' des jeweiligen Bestandessteht, desto größer ist die Chance einer adäquaten Literaturver-sorgung - sei es in der Präsenzbenutzung einer Sondersammel-gebiets-Bibliothek oder, neuerdings, über die Direktbestellung imauswärtigen Leihverkehr.
Jede Distanz zu einem fachlichen ,Zentrum' vergrößert die Schwie-rigkeiten der Informations- und Literaturbeschaffung. Das giltbereits für Vorhaben, die im herkömmlichen Sinne als interdis-ziplinär gelten. Ein einfaches literarhistorisches Beispiel: EineArbeit über das Sonett als europäisches Literaturphänomen ist imHinblick auf die moderne ausländische Forschungsliteratur alleinfür den westeuropäischen Bereich auf mindestens vier Sonder-sammelgebiets-Bibliotheken angewiesen - Bonn (Romanistik),Frankfurt (Germanistik, Allgemeine Literaturwissenschaft), Göt-tingen (Anglistik) und Münster (Niederländische Literatur). In vielhöherem Maße trifft dies auf solche Vorhaben zu, die durchmoderne ,Problemfelder' konstituiert werden.
Die Situation der geisteswissenschaftlichen Forschung in der Bun-desrepublik läßt sich am besten durch einen Vergleich mit ame-rikanischen Verhältnissen verdeutlichen. Der deutsche Wissen-schaftler befindet sich, modellhaft verdeutlicht, in einem Systemvon Kreisen (den Sondersammelgebieten), die sich berühren odergelegentlich auch überschneiden, die aber distinkte Sphären dar-stellen. 5 Das System hat keinen natürlichen Mittelpunkt, und jedeSphäre hat ihre spezifische Struktur. Der amerikanische Wissen-schaftler arbeitet in der Regel in einer größeren Forschungsbi-bliothek, die nicht nur einen universalen Präsenzbestand aufweist,sondern auch eine besondere Form der Bestandserschließung: densogenannten Kreuzkatalog (einen Katalog, der Verfassereinträgeund Schlagwörter in einer Sequenz vereinigt). 6 Die für diesesReservoir angemessene Modellvorstellung ist die eines homogenenKontinuums, das von jeder Stelle aus zugänglich ist und keine
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