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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Anschein von Zentralismus. Nicht weniger als dreizehn Biblio-theken wurden allein an der Beschaffung der ausländischen Spe-zialliteratur in den Humanwissenschaften beteiligt. 8 Damit beganneine - bis heute andauernde - hochgradige Dispersion der Se-kundärliteratur. 9

Die Durchsetzung des extrem dezentralistischen Konzepts gegen-über einer moderaten zentralistischen Lösung, die als ein for-schungspolitisches Gebot der Stunde hätte empfunden werdenmüssen, vollzog sich ungeachtet der Konsequenzen der Entschei-dung als rein bibliotheksinterne Angelegenheit. Die Notgemein-schaft hatte ausdrücklich nicht Stellung bezogen, 10 und Vertreter derWissenschaft wurden an der Kommissionsentscheidung nicht be-teiligt. 11 Eppelsheimer vermerkte anläßlich der StrukturdebatteeinAnwachsen der zentrifugalen Kräfte, die Gewöhnung an die ,süßeFreiheit', die den regionalen Instinkten die Rückkehr zum Ganzenso schwer macht". 12 Historisch betrachtet, bietet sich die Ent-scheidung nicht nur als traditionsgebundene, vielleicht traditions-befangene, Neubelebung einer bereits damals offenkundig pro-blematischen Organisationsform der Literaturversorgung dar: in ihrdokumentiert sich auch der Durchbruch eines übergesundenFöderalismus" hinausgehenden bibliothekarischen Individualden-kens. 13 Sie gibt Anlaß zu der Frage, ob die deutsche Biblio-theksgeschichte der letzten Jahrzehnte oder sogar des letztenJahrhunderts nicht über weite Strecken als Mentalitätsgeschichtegeschrieben werden muß.

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Die zweite Entscheidung über die Literaturversorgung der gei-steswissenschaftlichen Forschung fiel im Zusammenhang mit einerDenkschrift, die der Bibliotheksausschuß der Deutschen For-schungsgemeinschaft im Auftrage ihres Hauptausschusses überDie Frage einer zentralen Bibliothek im Gesamtgefüge des deut-schen wissenschaftlichen Bibliothekswesens" Ende 1955 vorlegte. 14In ihr solltendie Argumente für die Schaffung einer Zentral-bibliothek" zusammengestellt werden, deren Notwendigkeit of-fenbar der Deutschen Forschungsgemeinschaft als der zentralen

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