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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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stehen." 76 In den zwanziger und dreißiger Jahren setzte sich dieseEntwicklung fort, so daß sich das Schwergewicht immer stärker aufKleinbibliotheken verlagerte, die in den meisten Fällen nicht vonFachpersonal betreut wurden. Die ursprünglich beabsichtigte Ko-ordination erwies sich über weite Strecken als undurchführbar, weildie Institutsbibliotheken aufgrund der universitären Organisations-strukturen ein autonomes Dasein führten. 1936 sprach Georg Leyhvon denvöllig ungeordneten Zuständen, die heute in persönlicherund sachlicher Hinsicht in dem Verhältnis zwischen den Uni-versitätsbibliotheken einerseits und den Fakultäten und Institutenandererseits herrschen", und er bezeichnete dies alssichtbaresKennzeichen für die breite Kluft, die... zwischen produktiver undverwaltender Wissenschaft sich aufgetan hat". 77

Das Problem lag nicht nur in dem circulus vitiosus, daß eineschwache Universitätsbibliothek Institutsbibliotheken herausforder-te und erstarkende Institutsbibliotheken die zentrale Universitäts-bibliothek weiter schwächten, sondern vor allem darin, daß trotzhohen Aufwandes die Leistungsfähigkeit beider Bibliothekstypen,von Ausnahmen abgesehen, über ein mittleres Niveau nicht hin-auskamen. Die geringen finanziellen Ressourcen der zwanziger unddreißiger Jahre hätten eine Konzentration erfordert (wie sie von derNotgemeinschaft auch versucht wurde): statt dessen verstärkte sichdie Dispersion.

Das Verhältnis zwischen Instituts- und Hochschulbibliotheken,seit Jahrzehnten krisenhaft", wie eine Denkschrift der DeutschenForschungsgemeinschaft 1955 feststellte, hat sich in der Zeit nach1945eher verschärft als entspannt". 78 Das Problem des in derRegel beziehungslosen Nebeneinander war aufgrund der verfe-stigten Strukturen nicht mehr zu lösen. Man konnte den Gegensatzalsvermeintlich" ausgeben und ihn philosophisch verklären:Erentspricht etwa dem Gegensatz Universalismus der rationalistischenSysteme und Historismus der Historischen Schule mit ihren par-tikularen Momenten, der nach Rothacker ein ,Schema des pro-duktiven Lebens' selber ist." So ein deutscher Bibliothekstheo-retiker. 79 Man konnte aber auch, etwa aus französischer Sicht, dieFeststellung treffen: «L'Allemagne nous offre le cas unique d'unpays qui s'est donne le luxe d'entretenir systematiquement, pendant

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