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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Gegenüber dem durch die Konzentration auf moderne Forschungs-literatur strukturell unkomplizierten Literaturbedarf der Naturwis-senschaften, der Technik und der Medizin weisen die Geistes-wissenschaften einen andersartigen und strukturell komplexerenLiteraturbedarf auf. Diese Andersartigkeit und Komplexität ergibtsich daraus, daß der Gegenstand der Geisteswissenschaften vor-nehmlich oder auch ausschließlich durch Texte im weitesten Sinnekonstituiert wird. Die wissenschaftliche Literatur ist hier als .Se-kundärliteratur' auf eine ,Primärliteratur' von gedruckten oderungedruckten Texten bezogen, mit der zusammen sie ein diffizilesund bibliographisch schwer beherrschbares Literaturkontinuumbildet.

In der Mehrzahl ihrer Disziplinen sind die Geisteswissenschaftenhistorisch orientiert. Diese geschichtliche Dimension ist essentiell,und sie bestimmt, ungeachtet moderner Entwicklungen, den klas-sischen geisteswissenschaftlichen Forschungsansatz. Sofern For-schungseinrichtungen und Arbeitsweisen auf anderen Gebieten,etwa in den Sozialwissenschaften, dadurch bedingt werden, sind sieden Geisteswissenschaften zuzurechnen. Die Gemeinsamkeitkommt dabei weniger durch eine sachliche oder methodischeAffinität als durch den Rekurs auf eine in textlicher Überlieferungvorgegebene Arbeitsgrundlage zustande. Das Material der Gei-steswissenschaften, so befand bereits Wilhelm Diltheybildet diegeschichtlich-gesellschaftliche Wirklichkeit, soweit sie als geschicht-liche Kunde im Bewußtsein der Menschheit sich erhalten hat, alsgesellschaftliche, über den gegenwärtigen Zustand sich erstreckendeKunde der Wissenschaft zugänglich gemacht worden ist". 5

Potentiell erstreckt sich der geisteswissenschaftliche Literaturbedarfauf jenes Universum von Texten, das in seiner Gesamtheit einenkonstitutiven Teil der kulturellen Tradition bildet. Geisteswissen-schaftliche Arbeit ist, in welcher Disziplin auch immer, Arbeit inund an dieser Tradition, in der ein Text geringere oder größereAktualität haben, aber vermöge seiner Zugehörigkeit zur Traditionnie so obsolet werden kann, daß er ausgeschieden werden dürfteoder ausgeschieden werden müßte. Werke der Literatur oder auchder Musik machen den Sachverhalt unmittelbar deutlich.

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